Screeenplay - Filme & Games

Die Frage nach dem Warum

Es gibt mehrere Gründe, warum Lizenzspiele häufig so unterirdisch sind. Der naheliegendste dürfte sein, dass sie auf einer bereits etablierten Marke basieren, was bedeutet, dass weniger Arbeit und Mühe in sie fließen muss, damit sie gekauft werden. Die Namen sind Selbstläufer, denn wenn jemand Fan von einem Film ist, dann besteht Grund zur Annahme, dass er auch Interesse am Spiel haben könnte. Die mangelnde Qualität muss aber nicht zwangsläufig am Desinteresse des Entwicklers liegen. Gerade Spiele, die auf Filmen basieren, unterliegen einem hohen Zeitdruck. Das fertige Produkt muss zum Release des Films veröffentlicht werden, Verschiebungen sind nicht möglich. Wenn wir bedenken, wie knapp die Produktionszeit einiger Filme ist, dann dürfte es kaum jemanden wundern, dass ihre Spiele unter dem strengen Terminplan leiden.

Die kreative Freiheit der Entwickler bleibt stark eingeschränkt, müssen sie sich doch an die Vorlage und Wünsche Hollywoods halten. Einen 1,5-stündigen Film in ein Spiel zu verwandeln, das locker ein Fünffaches dieser Zeit veranschlagt, ist keine einfache oder problemlose Angelegenheit. Das Resultat sind Lückenfüller, die die Grundidee nur verwässern und in den seltensten Fällen besser machen. Gepaart mit einem munteren Lass-uns-alle-beliebten-Genre-in-ein-Spiel-stopfen-um-möglichst-viele-Leute-anzusprechen-Ansatz wird Harry Potter plötzlich zum Third-Person-Shooter und wir fragen uns, womit wir das verdient haben.

Lizenzpause
Das Faszinierende an Lizenzspielen ist, dass es über Jahre hinweg völlig egal war, wie schlecht sie eigentlich waren, sie wurden doch immer gekauft. Welches Kind kümmert sich groß um das Leiden einer jungen Videospielredakteurin, die noch heute bei den Worten Harry Potter und die Heiligtümer des Todes 1 für Wii Zuckungen im Auge bekommt, wenn doch Daniel Radcliffe mit erhobenem Zauberstab dramatisch auf der Verpackung prangt?

Wenn ihr aber einen Blick auf 2012 und seine Blockbuster werft, dann werdet ihr feststellen, dass die wenigsten von ihnen noch Spiele ihr Eigen nennen dürfen. Marvel’s The Avengers, The Dark Knight Rises und Die Tribute von Panem – The Hunger Games gehören zu den profitabelsten Filmen des Jahres und doch hat keines von ihnen einen Vollpreistitel erhalten. Während James Bond 007 – Ein Quantum Trost noch ein eigenes (mäßiges) Spiel bekam, musste James Bond 007 – Skyfall ohne auskommen.

Das Lizenzspiel-Gewerbe ist lange nicht so gewinnbringend, wie es zuerst den Anschein hat. Gebühren sind häufig so hoch, dass kaum Geld für die Entwicklung oder die Entwickler bleibt. Um profitabel zu werden, muss sich ein Spiel viel häufiger verkaufen als letztlich realistisch ist.Hinzu kommt, dass Originaltitel viel lukrativer sind. Videospiele fristen kein Nischendasein mehr, sondern warten mit Produktionen auf, die Hollywood problemlos das Wasser reichen können. Selbst Casual- und Nicht-Gamer kennen mittlerweile Marken wie Assassin’s Creed und Resident Evil und greifen im Laden nicht mehr nach Verpackungen, auf denen ein bekannter Film zu sehen ist. Häufig ist es genau anders herum: Immer mehr Spiele werden zu Filmen und benötigen kein eigenes Tie-in, sondern stärken lediglich eine existierende Marke.

Lizenztod
Bedeutet der Weg der Videospiele in den Mainstream das Ende für Lizenzspiele? Ja und nein. Während auf Filmen basierende Vollpreistitel seltener werden, erhält fast jeder Blockbuster zumindest ein Casual Game. Tie-ins versuchen nicht länger im Handel auf Kundenfang zu gehen, sondern online direkt Filmfans anzusprechen. Geringere Budgets und Mikrotransaktionen senken für Entwickler das Risiko, ihre Spiele in der Wüste vergraben zu müssen. Casual Games auf Facebook und im App Store sprechen schließlich nicht nur Gamer an, sondern auch diejenigen, die sich nicht als solche bezeichnen würden.

Tot sind Lizenzspiele zu Filmen und Serien also noch lange nicht, allerdings haben sie sich von Konsolen auf mobile Geräte verlagert. Ob das nun gut oder schlecht ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil kann jedenfalls sagen, dass ich mich lieber dem Browserspiel zu Ralph reichts widme, als mich noch einmal durch Colonial Marines oder Harry Potter und die Heiligtümer des Todes zu quälen. Da ich mir aber lieber selbst die Finger brechen würde, als das zu tun, bin ich vielleicht nicht gerade die objektivste Ansprechpartnerin, was das betrifft.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Lizenzspielen gemacht?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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