Rechtsstreit

Ex-Diktator & Drogenboss verklagt Call of Duty-Macher

Diktator Noriega in Call of Duty: Black Ops 2
© Activision
Diktator Noriega in Call of Duty: Black Ops 2

Manuel Noriega, ehemaliger Machthaber über Panama und einer der größten Drogenbosse aller Zeiten, geht gesetzlich gegen Activision vor, in dessen 2012er Shooter Call of Duty: Black Ops 2 Noriega eine Rolle spielt. In einer "Suffer With Me" betitelten Mission muss der Spieler Noriega aufspüren und gefangen nehmen.

Noriega erhob Klage gegen die Call of Duty-Entwickler wegen der seiner Meinung nach nicht autorisierten Nutzung seines digitalen Abbildes sowie seiner Repräsentation im Spiel als "Kidnapper, Mörder und Staatsfeind" und fordert Schadensersatz.

Der heute 80-Jährige herrschte von 1983 bis 1989 als Militärdiktator über Panama. 1992 wurde er in den USA wegen Mord, Drogenhandel und anderen Verbrechen verurteilt, heute sitzt er in Panama im Gefängnis.

Activision hofft derzeit noch, dass der zuständige Richter die Klage abweist. In einem möglichen Prozess würde die Firma jedoch von einem Team um Rudy Guliani repräsentiert. Der ehemalige Bürgermeister von New York bezeichnete laut Gamespot Noriegas Klage in einer Telefonkonferenz mit verschiedenen Medienvertretern wiederholt als "absurd" und wies auf die weitreichenden Implikationen hin, die ein Urteil zugunsten von Noriega haben könnte.

Der Fall könne "unzähligen historischen Akteuren, berüchtigt oder nicht, Tür und Tor öffnen", Prozesse gegen "Videospiele, Filme und Bücher, in denen sie erwähnt werden", anzustrengen. So könnten dann beispielsweise die Hinterbliebenen von Osama bin Laden Klage gegen dessen Darstellung in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty erheben. Der Fall ist für Guliani daher nicht weniger als ein "Angriff auf die freie Meinungsäußerung".

Giuliani verteidigte die Verwendung von Noriegas Abbild in Call of Duty: Black Ops 2 mit der Feststellung, dass es sich bei dem Spiel um Fiktion handle, die keinen Anspruch auf historische Korrektheit habe:

"Die Szenarien, in denen [Noriega] zu sehen ist, sind fiktional. Sie sind Kunstwerke. Sie wurden vom Autor erdacht. Dies ist kreative Fiktion, in der [Noriega] als historische Figur auftritt, doch es ist kein Abbild davon, was er tatsächlich getan hat."

Diese "transformative", also fiktionalisierende, Verwendung historischer Figuren sei im ersten Zusatz der US-amerikanischen Verfassung, der freie Meinungsäußerung garantiert, geschützt.

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