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Games Noir – Videospiele auf den Spuren von Bogart & Co

Elizabeth als Femme Fatale in BioShock Infinite: Burial At Sea
© 2K Games
Elizabeth als Femme Fatale in BioShock Infinite: Burial At Sea

31. Dezember 1958. Ein heruntergekommenes Büro. Ein Detektiv, der aus einer albtraumhaften Erinnerung erwacht, geplagt von Schuld und Selbstzweifeln. Ein hartes Klopfen an der Tür und eine mysteriöse Schönheit mit einer Zigarette, die ein Angebot für ihn hat, das er nicht ablehnen kann.

Es klingt wie der Beginn eines klassischen Film Noir, stattdessen befinden wir uns aber in den ersten Minuten von Burial at Sea, der Erweiterung des Videospiels BioShock Infinite. Diese entführt uns nicht nur zurück in die aus BioShock bekannte Unterwasserstadt Rapture, sondern außerdem in ein Genre, das dieses Jahr auf moviepilot für viele interessante Artikel und Diskussionen gesorgt hat.

Obwohl wir im Bereich Film darüber streiten können, ob es sich bei Film Noir nun um ein Genre oder einen Stil handelt, verhält es sich bei Spielen bekanntlich etwas anders mit Genres. Hier wird Noir deshalb als Stilmittel angesehen und verwendet – und das gerne und oft. Wenn wir uns das Koch-Rezept für Film Noir ansehen, dann dürfte schnell klar werden, warum das der Fall ist, denn die Zutaten, die wir dort finden, passen ebenfalls hervorragend in das Gericht Videospiel.

Inhaltlich drehen sich Film Noir um Verbrechen, die begangen wurden, zumeist um Mordfälle, die es aufzuklären gilt. Dieser Ansatz bietet sich nicht nur aufgrund seiner Thematik für Spiele an, sondern auch bezüglich der daraus entstehenden Gameplay-Möglichkeiten. Während das Lösen von Problemen ein grundlegender Bestandteil jeder Spielmechanik ist, legen Genres wie Point & Click-Adventures ihren alleinigen Fokus darauf, was sie zu ausgezeichneten Instrumenten spielerischer Film Noir macht.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Hotel Dusk: Room 215, in dem ihr einen Ex-Polizisten auf der Suche nach seinem ehemaligen Partner spielt, dessen Verschwinden mit dem organisierten Verbrechen zusammenzuhängen scheint. Ebenfalls in die Schuhe eines Ermittlers steckt euch Metal Gear Solid-Schöpfer Hideo Kojima in Snatcher, einem der ersten Neo Noir-Spiele aus dem Jahr 1988, zu dessen Inspirationsquellen unter anderem Blade Runner gehört, und das euch auf die Jagd nach körperstehlenden Robotern schickt. Auch die erst kürzlich veröffentlichte erste Episode von The Wolf Among Us lässt euch auf den Spuren eines Gesetzeshüters wandeln und entführt euch ins düstere Fabletown in New York, wo nicht nur Märchenfiguren inmitten von Menschen leben, sondern sich noch dazu mit einem Mörder in ihrer Mitte herumschlagen müssen.

Die pessimistische Weltsicht, die für Film Noir typisch ist, lässt sich nicht nur in der mörderischen Handlung wiederfinden, sondern zusätzlich in den Charakteren, denen wir begegnen. Allem voran sind das die Antihelden, die gerade in den letzten paar Jahren Videospiele für sich erobert haben. Während einige Genres, wie patriotische Kriegsshooter oder japanische Rollenspiele, bevorzugt auf Helden setzen, finden wir in Action- oder Adventure-Spielen stattdessen häufig abgeklärte Antihelden, die ihre vielen Probleme gerne in Alkohol ertränken, moralisch flexibel sind und im Wörterbuch als Beispielbild neben dem Wort Zynismus zu finden sein könnten.

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freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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