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Femme fatales, Atmosphäre und bunte Farben

Ein Paradebeispiel hierfür ist Max Payne aus der gleichnamigen Videospielreihe. Im Verlauf seiner drei Spiele verfolgen wir Max’ stetigen Fall von einem Polizisten mit einer liebenden Familie zu einem depressiven Außenseiter. Er ist der Inbegriff eines Hardboiled detectives mitsamt genretypischer, grüblerischer Gedankengänge und Monologe, exzessivem Alkohol- und Schmerzmittelmissbrauch und sich stetig verschlimmernden Problemen, die ihn zu überwältigen drohen. Hinzu kommt seine ganz eigene Femme fatale in Form von Mona Sax, deren Aufgabe eigentlich war, ihn auszuschalten. Stattdessen lässt sie sich mit ihm ein: eine Affäre, die er natürlich bereuen muss.

Die berüchtigte Femme fatale lässt sich auch in BioShock Infinite: Burial at Sea finden, was für Spieler der Hauptstory eine Überraschung war, denn zuvor bestach Elizabeth durch ihre Naivität und Unschuld. Nach den Ereignissen in Columbia scheint sie allerdings beides verloren zu haben, denn wenn ihr ihr in Rapture begegnet, ist sie eine perfekte Inkarnation einer Femme fatale – inklusive dem dramatischen Auftreten, der gefährlich-manipulativen Art und der ikonischen Zigarette, die Vertreterinnen dieses Archetyps gerne bei sich tragen.

Weil wir es in Noir-basierender Fiktion nicht mit vertrauenswürdigen Protagonisten zu tun haben, finden wir häufig unzuverlässige Erzähler und eine nicht-lineare Erzählweise. Beide sind seit je her beliebte Stilmittel in Spielen, weil sie nicht nur bezüglich der Handlung auf eine falsche Fährte locken, sondern außerdem die Möglichkeit eröffnen, durch verschiedene Zeiten zu springen und somit unterschiedliche Settings abzugrasen, um mehr Abwechslung zu bieten. Ein Spiel, in dem das hervorragend gelingt, ist der filmische Thriller Heavy Rain. Die Handlung springt nicht nur zwischen Gegenwart und Rückblenden, sondern außerdem zwischen vier spielbaren Hauptcharakteren, die dank Traumata und Drogenmissbrauch Probleme mit der korrekten Wahrnehmung der Realität haben.

Wie es sich für Film Noir gehört, spielt Heavy Rain in einer anonymen Großstadt und bietet von schäbigen Hotelzimmern bis hin zu Baustellen, Lagerhallen und engen Gassen alle Schauplätze, für die das Genre bekannt ist. Um die Atmosphäre noch drückender zu machen, herrscht, wie der Name bereits verrät, konstanter Regen, der dem Spiel einen tristen, grauen Schleier verpasst. Bis auf kleinere Ausnahmen wie In Another Brothel finden wir zwar kaum Noir-Spiele, die komplett auf Farbe verzichten, dafür beschränken sich die meisten auf eine kühle, emotionslose Farbpalette, um die Verzweiflung noch deutlicher zu machen. Diese Regel wiederum brechen jüngere Vertreter wie Burial at Sea oder The Wolf Among Us oder das etwas ältere Adventure Grim Fandango, welche bunte Farben zu ihren Markenzeichen gemacht haben. Sie versuchen, ihre Dunkelheit unter dem farbenfrohen Äußeren zu verstecken. Trotzdem verlassen sie sich auf extreme Kontraste, harte Beleuchtung und lange Schatten, in denen es sich gut verstecken lässt …

Wie auch in modernen Filmen, lassen sich im Bereich der Videospiele kaum reine Vertreter des Film Noir (mehr) finden. Stattdessen bedienen sich beide Medien an grundlegenden Elementen, um etwas Neues zu schaffen, das Noir-typische Bestandteile mit modernen Ideen verbindet. Ein Blick auf Neo Noir verrät, dass die Entwicklung durchaus ihr Gutes hervorgebracht hat, trotzdem ist es ein wenig Schade, dass die Glanzzeit der Film Noir hinter uns liegt und dass Videospiele nie ein Teil von ihr sein konnten.

Habt ihr Lieblingsspiele, die ihre Inspiration aus Film Noir schöpfen?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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