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Hollywood, wie wär’s mit paar Indie-Adaptionen?

Limbo: Nicht im Adaptions-Limbus sondern unverfilmbar?
© Playdead
Limbo: Nicht im Adaptions-Limbus sondern unverfilmbar?

Vor ein paar Wochen habe ich einen Artikel über all die Videospielverfilmungen geschrieben, die sich im Adaptions-Limbus befinden. Während ich mich durch die Gerüchte und Ankündigungen gewühlt habe, wurde mir eines bewusst: Filme, die ihre Inspiration bei Spielen suchen, schöpfen sie aus Blockbuster-Titeln. Niemand scheint Indie Games Beachtung zu schenken. Warum eigentlich nicht?

Bevor ich mich um diese kümmere, sollte ich vielleicht erst einmal erklären, was Indies eigentlich sind. Indie ist die Abkürzung von Independent. In der Filmwelt bedeutet es, grob gesprochen, dass große Studios ihre Finger aus dem Spiel lassen und stattdessen unabhängige Filmemacher ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Im Videospiel-Bereich verhält es sich nicht anders. Hier heißt es, dass unabhängige Entwickler fernab großer Publisher Spiele erstellen, ohne sich dabei an die Richtlinien anderer halten zu müssen.

Licht- und Schattenseiten
Diese Unabhängigkeit kann Vor- und Nachteile haben. Zwar haben Indies die Freiheit zu tun und zu lassen, wonach ihnen gerade der Sinn steht, allerdings müssen sie sich mit einem weit niedrigeren Budget abfinden und haben nur selten genug finanzielle Mittel, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die fehlende Aufmerksamkeit dürfte einer der Hauptgründe sein, warum wir bisher noch über keine Indie-Adaption gestolpert sind. Ein Videospiel-Franchise wird für Hollywood erst interessant, wenn bereits viele Gamer und im besten Fall Nicht-Gamer von ihm gehört haben, wie es zum Beispiel bei Tomb Raider oder World of Warcraft der Fall ist. Aber nur, weil ein Spiel in der Gaming-Gemeinde einen großen Namen hat, heißt das nicht, dass es automatisch für Hollywood interessant ist.

Das lässt sich unter anderem an Journey erkennen, einem der wichtigsten Spiele 2012. Da es sich allerdings um einen Exklusivtitel für PS3 handelt, bleiben die Freude des philosophischen Koop-Spiels auch vielen Gamern vorenthalten, da in den zielgruppenrelevanten USA die Xbox 360 vorherrschend ist. Ähnlich verhält es sich mit The Unfinished Swan, einem First-Person-Shooter für PS3, in dem eure einzige Waffe Farbe ist, mit der ihr der komplett weißen Welt Form verleiht.

Abgesehen von ihrer Plattformgebundenheit vereint die Beiden noch etwas anderes, das sie für Hollywood unattraktiv macht und das ist, dass sie sich schwer verfilmen lassen würden. Wie ich bereits erwähnt habe, haben Indie-Entwickler eine größere Freiheit als Studios, die an Publisher gebunden sind. Das lässt sich häufig deutlich anhand der Ideen spüren, die umgesetzt werden, sowohl thematisch als auch in Bezug auf Gameplay und Genres.

Indie ist nicht gleich Indie
Wenn wir uns beliebte Indie-Genres ansehen, dann sind es oft solche, die AAA-Titel scheuen, da sie Zielgruppen ansprechen, die nicht viel Geld für Spiele ausgeben oder die Nostalgie vieler Gamer nutzen. Point & Click-Adventures erfreuen sich nicht zuletzt dank der deutschen Spieleschmiede Daedalic (The Whispered World) wieder großer Beliebtheit, obwohl die Zeiten von Adventure-Pionieren wie Lucasarts bekanntlich schon lange vorbei sind-.

Indies versuchen sich auch gerne an Plattformern wie Thomas Was Alone, Simulationen a lá FTL: Faster Than Light oder Puzzles wieLittle Inferno. Unabhängige Entwickler experimentieren gerne, vor allem wenn es um Optik und Gameplay geht, das häufig im Fokus der Spiele steht.

Während Spiele wie Journey oder Fez zwar interessante Hintergedanken haben, stehen Spielmechanik und Spielgefühl im Vordergrund und die lassen sich nicht auf die Leinwand übertragen. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass es mir ebenso große Freude machen würde, Michael Bay eine Würfel-Welt im Kino drehen zu sehen, während ein kleiner Marshmallow-Mann von Ebene zu Ebene hüpft und Rätsel löst, wie Fez sie mir als Spiel bereitet hat.

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freakingmuse Rae Grimm
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