Screeenplay - Filme & Games

Von Schätzen und Geschichten

Zu sagen, dass sich Indies aufgrund einer mangelnden oder schlecht umsetzbaren Geschichte nicht für eine Adaption anbieten, würde nicht der Wahrheit entsprechen. Sie nutzen die thematischen Freiheiten und häufig finde wir hier Perlen der Erzählkunst. Von Braid bis Gemini Rue, von Another World bis zu Winter Voices, von Dear Esther bis To the Moon. Indie Games bieten eine wahre Goldgrube an Geschichten, die sich auch als Buch oder Film gut machen würden.

Kernpunkt ist aber, dass viele von ihnen am besten wirken, weil sie eben kein Buch und kein Film sind. Es sind Spiele, die auch nur als solche funktionieren können, da sie Geschichte, Mechanik und Interaktivität so verbinden, dass sie in jeder anderen Form möglich wären.

Die Geschichte des Verlusts einer Mutter, der wir in The Unfinished Swan begegnen berührt vor allem, weil wir selbst in die Rolle des kleinen Jungen schlüpfen können, der mit Farbe bewaffnet in eine Märchenwelt abtaucht, um dort den titelgebenden Schwan zu finden. Die interaktive Kurzgeschichte Dear Esther sollte genau das sein: interaktiv. Ein Film, in dem wir eine anonyme Person begleiten, die über eine einsame Insel streift, während Briefe an eine Verstorbene vorgelesen werden, könnte nicht denselben Effekt wie das melancholische Spiel haben. Im Hintergrund spielen Mechanismen wie Einsamkeit eine Rolle, die sich dank Interaktivität kaum auf eine so persönlich berührende Art auf einen Film übertragen lassen würde.

Können, sollen, wollen
Wenn ein Spiel wie Schiffe versenken als Battleship verfilmt werden kann oder sogar Das Moorhuhn es schafft, irgendwie in die Kinos zu flattern, dann sollte es doch ein minimalistisches Spiel wie Limbo auch schaffen, oder?

Die Frage ist aber: Wollen wir das überhaupt? Wollen wir, dass der kleine Junge in Limbo, der seine Schwester sucht und sich den Schattengestalten stellen muss, plötzlich auf der Leinwand epische Monster bekämpft? Wollen wir Gomez‘ Welten-Würfel aus Fez von einer fremden Person drehen lassen? Vielleicht sollten wir einfach froh sein, dass Hollywood uns zumindest mit Adaptionen kleiner Spiele-Perlen in Ruhe lässt und wir sie in Frieden in ihrem Ursprungsmedium genießen können, wenn uns das schon nicht mit Resident Evil und Co. vergönnt ist.

Trotzdem ist es etwas Schade, dass wir wohl nie Bastion im Kino sehen werden. Dass der Film zu Journey nie Leute dazu verlocken wird, einer emotionalsten Spielerfahrungen der letzten Jahre eine Chance zu geben. Dass die Adaption von Papo & Yo, das sich mit Vernachlässigung, Drogenmissbrauch und bedingungsloser Liebe beschäftigt, nie dazu beitragen wird, zu zeigen, dass es Erfahrungen jenseits der gerne verteufelten, digitalen Gewalt gibt.

Letztlich bedient Hollywood mit der Auswahl adaptierenden Spiele Klischees, gegen die Spieler seit Jahren kämpfen. Es gibt Spiele jenseits der Shooter, jenseits von Call of Duty und Uncharted. Und während ich als Gamer diese Erfahrung gerne mit Nicht-Gamern teilen würde, bin ich doch insgeheim dankbar, dass ich keine Angst haben muss, dass aus Limbo das nächste Max Payne wird.

Wie steht ihr zu Indie-Adaptionen? Habt ihr einen Favoriten, den ihr gerne auf der Leinwand sehen würdet?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

Deine Meinung zum Artikel Hollywood, wie wär’s mit paar Indie-Adaptionen?