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Ich, Star Wars Battlefront 2 & ein übermäßger Fankult

Star Wars: Battlefront 2
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Ich bin kein riesengroßer Fan von irgendeinem bestimmten Videospiel, Film oder Prominenten, bei dem ich in Schweiß ausbreche oder hibbelig mit den Zähen wackele, sobald die klitzekleinste Neuigkeit in meinem News-Feed aufploppt. Vor etwa zehn Jahren noch war das anders. „Star Wars“ lauteten die zwei Signalworte, die mich regelmäßig dazu veranlassten, mit prall gefüllten Plastiktüten voller Actionfiguren, Lego-Sets oder anderem Plunder aus George Lucas' Heldenepos nach Hause zu kommen.

Nach Star Wars Episode 1: Die Dunkle Bedrohung, dem Spiel zum gleichnamigen Film, aus dem Jahr 1999 rotierte lange kein Titel mit der Star Wars-Lizenz im Laufwerk meiner PlayStation. Erst die PS2 brachte mich mit dem Franchise wieder auf digitaler Ebene zusammen. Skeptisch war ich, als ich das allererste Star Wars: Battlefront (2004) von Pandemic Studios und LucasArts damals in den Händen hielt. Dieses Spiel war kein Third Person-Lichtschwertprügler sondern ein Shooter — ein Genre, mit dem ich zu dieser Zeit noch sehr wenig Erfahrung vorzuweisen hatte. Trotz Angst, dass es mich möglicherweise überfordern könnte, kaufte ich das Spiel nach dem Prinzip „attraktives Cover, astreiner Inhalt“.

Bei Star Wars Battlefront II war ich mir hingegen sicher

Star Wars: Battlefront II ist schließlich der Beweis dafür, dass mir der Vorgänger entgegen jeglicher Zweifel so gut gefallen hat, dass die zwölf Monate Wartezeit lang und qualvoll waren: Battlefront II erschien ziemlich genau ein Jahr nach dem Erstling und presste mich direkt am Tag des Releases schon vor Ladenöffnung ans Schaufenster.

Spielerisch ist im Grunde alles beim Alten geblieben: Noch immer kämpfte ich als Fußsoldat einer der vier aus den Filmen bekannten Fraktionen (Galaktische Republik, Konföderation, Imperium oder Rebellen) auf den weitläufigen Schlachtfeldern verschiedenster Planeten um Kommandoposten und die eigene Haut. Dennoch beschäftigte mich dieses Spiel länger und ausdauernder als sein Vorgänger, denn Battlefront II entpuppte sich als genau das, was ich mir erhofft hatte: Eine perfekte Fortsetzung.

Kleine und große Neuerungen hielten mich zwei ganze Ferienwochen ununterbrochen in meinem Zimmer gefangen. Vor allem in den neuen Raumschlachten und der diesmal zusammenhängenden Kampagne, die mich den Aufstieg des Imperiums nacherleben ließ, schoss ich mir die Hornhaut von den Fingern. Das Beste, was sich die Macher erdacht haben, waren aber die steuerbaren Protagonisten und Antagonisten aus den Filmen.

„Du kannst selbst ein Sith sein“ war nach "heute Sturmfrei" der beste Satz, den man mir damals als grantige Heranwachsende ins Gesicht sagen konnte: Ich konnte mit dem schier unbesiegbaren Darth Maul und dessen Doppelklinge reihenweise Gegner kürzen — was gibt es Schöneres in der Pubertät? Getoppt wurde dies nur vom grandiosen Held gegen Schurken-Modus, bei dem ausschließlich Sith und Jedi im bunten Lichtschwert-Getummel aufeinander losgingen.

Zehn Jahre später

Unter heutigen Gesichtspunkten würde mir Star Wars: Battlefront II wohl als zu oberflächlich vorkommen. Und vielleicht wäre ich sogar nach einigen Minuten schon gelangweilt. Dinge, die ich heute als üblich betrachte, wenn es um Spieltiefe und Langzeitmotivation geht, bot Battlefront II nicht.

Statt verschiedenster wechselbarer Waffen, die sich unterschiedlich anfühlen und handhaben, musste ich mit einer Waffe pro Klasse auskommen. Auch Perks oder unterschiedliche Ausrüstungsgegenstände für den taktischen Feinschliff gab es nicht. Die übermächtigen Helden und Schurken, die ich einst so feierte, würden mich im Online-Spiel heute zum Brüllen bringen, die immer gleich ablaufenden Raumschlachten hingegen zum Schlafen.

Doch dies alles störte mich im Jahr 2005 nicht.

Schuld trugen Zeitgeist zum einen und die beinahe perfekte Atmosphäre zum anderen. Auch wenn ich bereits einige Zeit mit dem Vorgänger verbracht hatte, war ich mit Star Wars: Battlefront II immer noch ein blutiger Anfänger im Shooter-Bereich — vor allem im direkten Vergleich mit meinem jetzigen Ich, das sich mit unzähligen Stunden in Battlefield 3 und Call of Duty: Modern Warfare 2 brüstet. Ans kompetitive Online-Spiel dachte ich als PS2-Besitzerin damals schon gar nicht, auch wenn dies theoretisch möglich gewesen wäre.

Wild durcheinander fiepende Blasterschüsse, surrende Lichtschwerter und umherschwirrende Sternenjäger und der brachiale Soundtrack von John Williams erschufen eine so dichte Atmosphäre, die die spielerischen Schwächen für meine Augen verschleierten. Mein eigenes Star Wars-Fantum (ja, ich liebte sogar die neue Trilogie) generierte die Langzeitmotivation von selbst.

Es war Star Wars, sonst nichts. Damals war das voll okay.

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