Meucheln im 18. Jahrhundert

Keine Revolution im Test zu Assassin's Creed Unity

Review zu Assassin's Creed Unity
© Ubisoft
Review zu Assassin's Creed Unity
moviepilot Team
SetupWizard Philipp Neubauer
du folgst
entfolgen
Alles runter.

Vor einigen Tagen kam ich einer Einladung auf ein Event von Ubisoft nach, das mir Assassin's Creed Unity näher bringen sollte. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen von Abstergo, jener Organisation, aus deren Reihen der Animus stammt. In einer relativ langen Präsentation bekam ich neben bereits bekannten Trailen vor allem serviert, dass der neueste Ableger des Meuchelmörder-Franchises größer, besser und tiefgründiger als seine Vorgänger sein soll. Größer ist Unity auf jeden Fall, was den Rest betrifft, stimmt das allerdings nicht so ganz. Und dann gibt es da noch ein riesiges Problem.

Wie jede große Installation der Reihe präsentiert uns Unity einen neuen Protagonisten. Ihr schlüpft in die Kutte von Arno, einem jungen Mann, der inmitten von Paris die Französische Revolution erlebt. Als Kind verstarb Arnos Vater unter mysteriösen Umständen, weswegen er sich einige Jahre später auf die Suche nach dem Mörder macht. Die Handlung von Assassin’s Creed Unity ist kein Meisterwerk und leidet vor allem unter dem Problem, dass Arno kein starker Charakter ist. Ubisoft verpasst die Chance, etwas Neues zu wagen und setzt euch den bereits aus den vorigen Spielen bekannten schlagkräftigen Charmeur vor die Nase. Da helfen auch konfuse Zwischensequenzen nichts, die versuchen, mithilfe von Abstergo eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu spannen.


Die Ressourcen für das Charakterdesign hat Ubisoft allerdings bei anderen Figuren des Spiels genutzt, sodass vor allem die Bösewichte sehr gut wirken. Das liegt nicht nur am reinen Äußeren – mein Favorit ist ein schmieriger Menschenhändler mit Pusteln im Gesicht – sondern auch an der gelungenen Synchronisation. Die Dialoge sind lebendig und selbst die in vielen Titeln verhunzte deutsche Vertonung überzeugt. Dadurch bauen gerade die Zwischensequenzen jede Menge Atmosphäre auf, die ein wenig über die dünne Handlung hinwegtäuschen kann.

Diese Atmosphäre ist auch außerhalb der von Cutscenes vorhanden, denn Ubisoft hat es geschafft, das Paris der Französischen Revolution großartig umzusetzen. Vor der Notre Dame versammeln sich protestierende Menschenmassen, die dem monarchistischen Regime ein Ende bereiten wollen, an anderer Stelle kämpfen Bettler und Kriminelle um das blanke Überleben. Unity zeichnet eine authentische Stadt mit einer authentischen Bevölkerung, die kurz vor dem Umbruch steht. Dabei ist auch die schiere Größe behilflich, die begehbare Fläche übertrifft die bisherigen Assassin’s Creed-Ableger um Längen. Dank Schnellreise könnt ihr bereits bekannte Orte per Knopfdruck bereisen, wodurch nervige Laufwege entfallen.


Diese Größe allein mag noch kein Vorteil sein, Unity schafft es allerdings, die Stadt mit allerhand Beschäftigungen für Arno zu füllen. Neben der Hauptstory warten jede Menge Nebenmissionen auf euch, die nicht nur Füllwerk sind, sondern wirklich Spaß machen. Mein Favorit sind die Murder Mysteries, bei denen es darum geht, die für einen oder mehrere Morde verantwortliche Person ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen. Je mehr Hinweise ihr von Personen in der Nähe bekommt, desto mehr wird der potentielle Aufenthaltsort des Ziels eingegrenzt.

Für das Abschließen solcher Nebenquests verdient ihr Geld, das ihr wiederum in neue Waffen oder Items investieren könnt. Diese sind auch sehr nötig, denn anders als die Vorgänger ist Assassin’s Creed Unity zum Teil ziemlich schwer. Während Gegnergruppen in den vorigen Ablegern fast immer brav um mich herum standen und der Reihe nach angriffen, gilt es in Unity, rechtzeitig Angriffe zu parieren und Schüssen innerhalb eines kurzen Zeitfensters auszuweichen. Aus diesem Grund habe ich mich meistens dafür entschieden, Missionen auf möglichst leisem Weg zu bewältigen.


Dabei ist es sehr hilfreich, dass das Spiel mir die Möglichkeit gibt, Skillpunkte auf die verschiedenen Bereiche Stealth, Melee, Ranged und Health zu verteilen. Diese Punkte verdient ihr durch Fortschritt in der Haupthandlung, wobei die Anzahl davon abhängt, wie schwierig die jeweilige Quest eingestuft wird. Außerdem spielen die optionalen Ziele eine wichtige Rolle, denn wenn sie beachtet werden, gibt es zusätzliche Belohnungen. Dabei reichen die freiwilligen Aufgaben von “Bleibe unterkannt” bis hin zu “Knacke auf dem Weg zum Ziel vier Schlösser”. Über den Progress Tracker könnt ihr eine Mission jederzeit wiederholen, um genau diese Zusätze zu erfüllen, falls ihr es beim ersten Mal nicht geschafft habt oder euch schlicht die Lust fehlte.

Ebenso motiviert mich Assassin’s Creed Unity durch den für die Reihe relativ hohen Grad an Individualisierung. In dem Spiel könnt ihr aus einer Reihe von Outfits wählen, die wiederum verschieden eingefärbt werden dürfen. Außerdem bietet das Waffenarsenal eine große Auswahl verschiedener Schwerter, Lanzen, Pistolen oder gar Gewehre. Ich erfüllte die Nebenquest vor allem deswegen, weil ich dadurch an mehr Geld komme, das ich dann in eben solche Items investieren kann. Teils brauchte ich allerdings auch einfach etwas Abwechslung von den stets gleichen Zielen, die mich in der Story erwarteten.


Meist geht es darum, eine einzelne Person zu verfolgen und dann auszuschalten. Zwar bietet mir Unity genügend Werkzeuge, um das zu bewältigen, wirklich abwechslungsreich ist das jedoch nicht. Das liegt auch daran, dass ich meine Lieblingsmethoden schnell gefunden habe und so oft einer Art Muster folge, das bereits in vorigen Abschnitten zum Erfolg geführt hat. Das funktioniert nicht zuletzt dadurch so gut, dass die KI von Assassin’s Creed Unity manchmal einfach strunzdumm ist. Oftmals konnte ich problemlos neben Gegnern schleichen, die mich eigentlich ohne Probleme sehen müssten. Zudem bekommen Wachen selten mit, wenn am Balkon gegenüber jemand offensichtlich erschossen wird. Dieses Problem trat bereits in den Vorgängern auf, weswegen es schade ist, dass Ubisoft dahingehend keine Verbesserungen vorgenommen hat.

Alles, was ich bis hierhin schrieb, dürfte den Eindruck erweckt haben, dass Assassin’s Creed Unity ein gutes, wenn nicht sogar sehr gutes Action-Spiel ist. Ist es auch eigentlich, Ubisoft hat allerdings versäumt, den Titel technisch einwandfrei auf den Markt zu bringen. Trotz heutzutage fast obligatorischem Day 1-Patch ist das Spiel dank Bugs, Glitches und einer miserablen Bildrate in einem inakzeptablen Zustand. Auf der PS4 brachen die FPS in Abschnitten mit hoher NPC-Dichte oftmals völlig ein, beim Erklimmen der Notre Dame stockte das Bild mehrere Sekunden lang. An vielen Ecken habe ich das Gefühl, dass sich der Entwickler mit Unity schlicht übernommen hat. Gerade weil es beim Klettern über die Häuser nicht selten auf kleinste Bewegungen ankommt, ließ mich Unity an vielen Stellen frustriert zurück, weil ich im Dach feststeckte oder dank Rucklern für einen Sprung zu viel Zeit brauchte.

Dieser Zustand ist vor allem deswegen so inakzeptabel, weil es um einen Titel geht, der nur für die neuen Konsolen (und den PC) erscheint. Ubisoft musste keinen Kompromiss zwischen den Generationen finden und konnte sich vollends auf PS4 und Xbox One konzentrieren. Außerdem sollte jeder mitbekommen haben, dass es dem Konzern wohl kaum an Geld mangelt, denn gerade kurz vor Release des Spiels wurden wir mit allerhand teuren CGI-Trailern versorgt. Es bleibt zu hoffen, dass weitere Updates diese Probleme schnell beheben können.

Fazit

Assassin’s Creed Unity ist keine Revolution der Action-Reihe, allerdings ein durchaus spaßiger Ableger. Ubisoft schafft es, ein lebendiges Paris der Französischen Revolution zu erzählen, das mit einer großartigen Atmosphäre überzeugen kann. Das Gameplay erfährt keine großen Veränderungen und bleibt dem Gewohnten treu, hier hätte dem Titel etwas mehr Mut gut getan. Das gilt auch in puncto Protagonist, denn Arno schafft es nicht, die auch ansonsten dünne Handlung aufzupeppen. Die massiven technischen Probleme führen dazu, dass Assassin’s Creed Unity momentan nur sehr bedingt empfohlen werden kann.

Assassin's Creed Unity ist ein solider Ableger der Action-Reihe, der das Franchise nicht revolutioniert und durch massive technische Probleme beeinträchtigt wird.
  • großartige Atmosphäre
  • lebendiges Paris
  • interessantes Szenario
  • viele Nebenmissionen
  • technisch unausgereift
  • kaum Neuerungen
  • mäßig schlaue KI


Das Spiel wurde in Form eines Review-Musters von Ubisoft bereitgestellt. Alle Aussagen beziehen sich auf die PS4-Version. Der Koop-Modus wurde noch nicht getestet und fließt deshalb nicht in dieses Review ein.

moviepilot Team
SetupWizard Philipp Neubauer
du folgst
entfolgen
Alles runter.
Das könnte Dich interessieren

Deine Meinung zum Artikel Keine Revolution im Test zu Assassin's Creed Unity

Aefb94921da4419dac1acd1f7c04e385