Nur so wird Battalion 1944 besser als Call of Duty 2

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Gestern habe ich euch erzählt, warum es mich freut, dass Battalion 1944 die Moderne und die Zukunft hinter sich lässt und den Sprung zurück in die Vergangenheit wagt. Die gegenwärtige Übersättigung an Sci-Fi-Szenarien macht historische Settings wieder attraktiv und bei aller Schrecklichkeit bietet sich der Zweite Weltkrieg dafür bestens an.

Mehr: Die 7 besten Weltkriegs-Shooter, an die wir uns noch heute erinnern

Doch auch wenn die Entwickler von Bulkhead Interactive mit ihrem Multiplayer-Titel einen Schritt in die richtige Richtung machen, bedeutet das nicht, dass Battalion 1944 auch gelingen muss. Das große Vorbild des Spiels ist Call of Duty 2, das von vielen als einer der besten Weltkriegs-Shooter angesehen wird. Was muss Battalion 1944 also beachten, um Call of Duty 2 das Wasser reichen zu können oder bestenfalls sogar noch besser zu werden?

Diese fünf Dinge sind mir auf Anhieb eingefallen.

1. Wir wollen Menschen, keine Supersoldaten

Einer der wichtigsten Punkte, die klassische Weltkriegs-Shooter von Call of Duty: Advanced Warfare oder Titanfall unterscheidet, ist die Tatsache, dass es bei historischen Ereignissen um ganz normale Menschen geht und nicht um ausgebildete Tötungsmaschinen. Call of Duty 2 war auch deswegen so eindringlich, weil die Soldaten nicht kämpfen wollten, sondern mussten. Es war eben ihre Pflicht. Hier geht es nicht um Effizienz und Professionalität, sondern um Selbstaufgabe, Mut und Tapferkeit im Angesicht des Todes.

Battalion 1944 wird hoffentlich ebenfalls betonen, dass wir keine abgebrühten Berufssoldaten steuern, sondern Familienväter, Zahnärzte und Bauarbeiter, die in einer furchterregenden Zeit leben und in einen Konflikt geraten sind, der über ihren Köpfen stattfindet. Anders als Call of Duty 2 sollte Battalion 1944 aber noch mehr darauf achten, dass Heldentum nicht Makellosigkeit bedeutet. Wer nicht kämpfen will, aber muss, der zeigt auch Angst, Verzweiflung und vor allem Feigheit.

2. Unbekannte Gefechte und Settings

Was Call of Duty 2 hervorgehoben hat, war auch die Bereitwilligkeit, Kriegsszenarien zu zeigen, die deutlich weniger prominent sind als die "großen Gefechte", die wir aus zahllosen Hollywoodfilmen kennen. Die Landung in der Normandie war ein Wendepunkt und die Schlacht um Stalingrad war ein menschliches Desaster, das will ich alles gar nicht relativieren. Gekämpft und gestorben wurde aber überall, und die Nordafrika-Kampagne von Call of Duty 2 zeigt das zumindest im Ansatz.

Battalion 1944 könnte hier noch einen Schritt weitergehen. Bisher scheint es aber so, dass die Ardennenoffensive aus den letzten Kriegsjahren im Fokus stehen wird. Die ist nicht wirklich unbekannt, aber zumindest weniger reißerisch als andere Gefechte. Vielleicht schaffen es die Entwickler ja, auch Schlachten einzubauen, die keinem übergeordneten militärischen Zweck dienen. Auseinandersetzungen, die tatsächlich und wirklich bedeutungslos sind. Gefechte, die uns wirklich fragen lassen, was wir da eigentlich tun.

3. Darstellung von Tod und Leid

Viele der stärksten Momente, an die ich mich aus früheren Call of Duty-Spielen erinnere, sind häufig mit plötzlich ausbrechender Gewalt verbunden, die mich vollkommen überrascht. Wenn ich mit einer Gruppe von Soldaten auf einem engen Boot zusammengepfercht bin und mein Nebenmann ohne Vorwarnung durch einen Kopfschuss gerichtet wird und leblos zu Boden sackt, dann nimmt mich das zwangsläufig mit.

In Call of Duty 2 sind solche Momente aber in der Regel geskriptet und das Moment der Überraschung verfliegt sehr schnell. Battalion 1944 könnte hier ansetzen und uns zeigen, was Projektile und Explosionen wirklich mit Menschen anrichten können. Schon ein Treffer reißt uns zu Boden und setzt uns außer Gefecht. Feinde sterben nicht sofort, sondern liegen schreiend auf dem Boden und verletzte Kameraden müssen bei Feindkontakt zurückgelassen werden.

4. Mehr Ambivalenz

Es gibt natürlich auch Punkte, in denen sich Call of Duty 2 überhaupt nicht von der Konkurrenz abgehoben hat. Wer sich an die Erzählweise und die Präsentation erinnert, weiß, dass wir damals wie immer die Helden mit der weißen Weste waren, die dafür gesorgt haben, dass die stumpfen Monster aus Nazi-Deutschland niedergemacht werden. Dass es damals ein klares Feinbild gab, ist mir natürlich bewusst, aber wirkliche Zwischentöne gab es in Call of Duty 2 nicht.

Battalion 1944 sollte hier entgegenwirken und uns mit komplexeren Hintergründen konfrontieren. Natürlich gehören meine Feinde zu einer Nation, die Europa in Angst und Schrecken versetzt, aber natürlich sind sie im Endeffekt auch nur normale Soldaten, die dem Diktat von oben folgen. Gegen wen kämpfen wir wirklich? Wie reagieren wir auf einen feindlichen Soldaten, der keine unmittelbare Gefahr darstellt? Das interessanteste Feature, das Battalion 1944 bieten könnte, wäre Raum für Menschlichkeit.

5. Verzicht auf typische Klischees & Mechaniken

So gut Call of Duty 2 auch sein mag, es bleibt ein Ego-Shooter aus dem Jahre 2005 und das bedeutet Spielmechaniken, die nur wenig mit Realismus zu tun haben. Ganz egal, ob es nun um Health-Packs oder Lebensbalken geht, die sich von ganz allein regenerieren, allzu offensichtliche "Spielregeln" hemmen die Atmosphäre und wirken dem eigentlichen Ziel vieler Shooter entgegen.

Was auch immer Battalion 1944 für das Gameplay geplant hat, ich kann nur hoffen, dass sich die Entwickler trauen, auf tradierte Mechanismen zu verzichten. Nur weil Weltkriegs-Shooter schon fast einen Retro-Charme ausüben, bedeutet das nicht, dass auch Battalion 1944 auf ewiggestrige Methoden setzen muss.

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Ich bin ein professioneller Motocross-Champion mit Abschlüssen in Kunstgeschichte und Paläontologie, der Picasso/Dinosaurier-relevante Kriminalfälle in seiner Freizeit aufklärt.
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