Screeenplay - Filme & Games

Pornografie, Titanic und Barbies

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

Sexszenen sind mittlerweile in den meisten Blockbustern ebenso obligatorisch wie Autoverfolgungsjagden und auch Triple-A-Spiele wollen keine Ausnahme mehr bilden. In beiden sind sie aber nicht viel mehr als eine Fußnote des eigentlichen Geschehens, nicht der tatsächliche Fokus der Handlung. Dafür gibt es schließlich Pornografie.

Wer nach sexy Spielen sucht, stolpert ebenso wie bei Filmen über jede Menge billigen, alles andere als erotischen Müll ähnlich früherer Strip Poker- und Strip-Puzzle-Spiele längst verdrängter Zeiten. Ihnen auf der Spur sind japanische Eroge, die von vergleichsweise harmlosen Visual Novels (interaktive Comics) bis hin zu sehr expliziter Unterhaltung für Anime-Freunde reichen, die als Nukige bezeichnet werden, die lediglich als Masturbationsvorlage existieren. Das lobenswerte Ziel, qualitativ hochwertige Videospiel-Pornografie in den Westen zu bringen, machte sich unlängst No Reply Games mit Seduce Me, das vor allem Aufmerksamkeit erregte, weil Spieler sich über die Möglichkeit erzürnten, dass es einen Platz auf der Onlinevertriebsplattform Steam finden könnte. Das Studio scheiterte letztlich nicht nur daran, weil Steam-Besitzer Valve es noch vor der Veröffentlichung wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Richtlinien entfernte, sondern auch daran, dass Seduce Me schlicht kein gutes Spiel war – weder gameplaytechnisch noch pornografisch betrachtet.

Sehen wir uns Spiele an, die unter dem Banner Erotik laufen, wird schnell deutlich, dass sie eher visuell als intellektuell stimulieren sollen, was genrebedingt keine große Überraschung sein sollte. Ebenso wie ihr Film-Äquivalent dienen sie einem sehr spezifischen Zweck, der die Interaktivität vor den Bildschirm legt und nicht darauf. Das wiederum wirft die Frage auf, inwiefern ein interaktives Medium sich überhaupt für Pornografie eignet…

Sex in Videospielen kann aber noch mehr sein als eine Masturbationsvorlage oder Blockbuster-Obligation. Eine sinnliche, fast meditative Erfahrung bietet das abstrakte Experiment Luxuria Superbia, das Sexualität manchmal direkt und manchmal fast schüchtern präsentiert. Jeder Level besteht aus einer scheinbar endlosen Blume, durch die ihr gleitet, während ihr sanft ihre Wände streichelt und so farblich erblühen lasst, während euch sowohl Soundtrack als auch geschriebene Hinweise deutlich machen, dass es sich nicht wirklich um eine Blume handelt, die ihr berührt. Sinn des Aufklärungs-Spiels Positive Space ist es, eine unter transsexuellen Frauen beliebte Sexualpraktik zu veranschaulichen. Positive Space ist dabei sehr minimalistisch und arbeitet im Stil von “Wähl dein eigenes Abenteuer”-Büchern vor allem mit Text und nur wenigen Bildern. Das kostenlose Minispiel How Do You Do It hingegen beschäftigt sich mit der erwachenden Sexualität eines jungen Mädchens, das dank Titanic zum ersten Mal mit dem Thema Sex in Berührung gekommen ist und nun versucht, das Gesehene mit ihren Puppen zu verarbeiten, ohne dabei von ihrer Mutter erwischt zu werden. Das Ergebnis ist ebenso charmant wie unbeholfen und erinnert an eine unschuldigere Zeit, in der Sex noch eine abstraktes Konstrukt war, dessen Bedeutung uns nicht ganz klar sein wollte.

Sex in Games kann die unterschiedlichsten Formen annehmen und muss dabei nicht einmal zwangsläufig mit Erotik in Verbindung gebracht werden, nackte Menschen präsentieren oder als Vorlage für analoge Soloaktivitäten dienen. Momentan scheinen sich Sex und Videospiele im Mainstream noch nicht wirklich zu vertragen, das kann sich aber nur ändern, wenn der schädliche Irrglaube abgelegt wird, dass Spiele für Kinder sind und Sexualität etwas Anrüchiges ist. Nur so bekommen Spiele die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, die Pubertät hinter sich zu lassen und zwischenmenschliche Beziehungen noch facettenreicher darzustellen. Und wenn das geschieht, dann können wir vielleicht sogar die sexy Quick-Time-Events hinter uns lassen.

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