PS Plus – Hört auf, euch über die Gratis-Spiele zu beschweren

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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

Alle vier Wochen dasselbe: Auf dem offiziellen PlayStation-Blog werden die kostenlosen Spiele des nächsten Monats bekannt gegeben und die Hölle bricht los. Seit einiger Zeit herrscht große Unzufriedenheit unter den Nutzern des exklusiven PlayStation-Programms – aber warum eigentlich und ist sie wirklich gerechtfertigt?

Obwohl PlayStation Plus für seine Mitglieder einige Vorteile mit sich bringt, liegt die Aufmerksamkeit vieler auf den kostenlosen Spielen, die es jeden Monat für alle aktuellen Sony-Plattformen gibt. Zwei neue Gratis-Titel für jede der drei Konsolen bietet Sony monatlich, 24 PS4-Spiele im Jahr sind jedem Nutzer sicher.

Seit Beginn des Programms im Juni 2010 wechselt die Auswahl konstant: von klein bis groß, alt bis neu, Indie bis AAA – jede Art von Spiel kann ihren Weg in die PS Plus-Bibliothek finden. Zumindest, falls der entsprechende Titel einen höheren Metacritic Wert als 70 hat und somit den Qualitätsstandard Sonys erreicht.

Der scheint aber einigen Abonnenten nicht zu genügen, denn sie wünschen sich andere Spiele als die, die Sony auswählt und selbst Aktionen, in denen Mitglieder selbst einen der kostenlosen Titel für den nächsten Monat wählen, sorgen für Unmut.

Früher war alles besser

Früher war bekanntlich alles besser und in den Augen vieler trifft das auch auf das PS Plus-Programm zu. Sie haben dabei vor allem die Jahre 2012 bis 2014 vor Augen, in denen sich von Monat zu Monat ein Blockbustertitel nach dem anderen auf PS3 die Hand gab: LittleBigPlanet 2, InFamous 2, Red Dead Redemption, Batman: Arkham City, Mass Effect 3, Hitman: Absolution, Uncharted 3: Drake's Deception, Tomb Raider, Bioshock Infinite und viele mehr erschienen teilweise nur knapp ein Jahr nach ihrer Erstveröffentlichung oder sogar noch eher. Für nur 4,17€ im Monat (bei einem Jahresabo von 49,99€) erhielten Mitglieder zwei AAA-Titel. PlayStation Plus war in erster Linie ein Ausleihservice, der sich auszahlte.

Seit der Veröffentlichung der PS4 hat sich viel geändert. Nicht nur, dass das Programm an sich umstrukturiert wurde und einen anderen Fokus bietet, die Auswahl ist auf den ersten Blick bescheidener geworden. Während zwar noch immer AAA-Spiele für PS3 im Programm auftauchen, muss die Nachfolgegeneration ohne ein ähnliches Äquivalent auskommen. Seit dem Launch der PS4 schafften es über 70 kostenlose Titel via PS Plus auf die Next-Gen-Konsole, nur drei von ihnen (Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes, Driveclub und Injustice: Götter unter uns) waren AAA-Titel. Stattdessen setzt Sony auf kleinere Spiele, auf Cross-Buy mit PS Vita und auf Exklusivität.

Der verkannte Wert von Videospielen

Größer ist nicht immer besser. Viele mögen es als Klischee ansehen, das macht es allerdings nicht weniger wahr. Bevor wir nun anfangen, über den Wert von Indie-Games zu diskutieren und darüber zu philosophieren, ob PS Plus-Spiele wie The Unfinished Swan oder Flower einen größeren künstlerischen Wert haben als Thief oder DmC, lasst uns lieber einen Blick auf Fakten und Zahlen werfen.

Die Seite PushSquare hat Ende 2015 einen Blick auf das vergangene Jahr bei PS Plus geworfen und sich gefragt, ob es sich (finanziell) gelohnt hat. Dabei kam heraus, dass Mitglieder von Sonys Premiumprogramm 2015 Spiele im Wert von rund 1000 Euro bei einer jährlichen Gebühr von knapp 50 Euro umsonst erhalten haben. Das entspricht etwa Videospielen im Wert von mehr als 80 Euro pro Monat. Der Metacritic-Wert aller Titel lag durchschnittlich bei 76 Punkten.

Verglichen mit dem Vorjahr gab es tatsächlich einen Rückgang. 2014 lag der Gesamtwert der Spiele in Nordamerika bei umgerechnet knapp 1220 Euro und die Metacritic-Wertung bei 79 Punkten. Eine Diskrepanz ist also zu erkennen, allerdings ist sie nicht so gigantisch wie es oft den Anschein macht, wenn wir uns empörte Kommentare durchlesen.

Das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen

Wie es zu diesem Ungleichgewicht kommt, lässt sich relativ leicht beantworten. 2013 begann mit dem Launch der PS4 nach acht Jahren eine neue Konsolengeneration, die allerdings kaum Spiele im Gepäck hatte. Etwas mehr als zwei Jahre später hat sich das zwar zu einem gewissen Grad gebessert, es ist aber noch immer ein langsamer Prozess. Sony ist sich dessen bewusst und erklärte daher im Dezember, 2016 würde uns eine nie dagewesene Welle an Top-Spielen erwarten.

Dennoch gibt es schlicht keine so große Bandbreite an AAA-Titeln, auf die Sony momentan zurückgreifen könnte, um sie über PS Plus kostenlos zugänglich zu machen. Bevor ihr mich steinigt: Ja, natürlich gibt es einige PS4-Spiele, die ihren Weg in das Programm finden können, aber im Vergleich zur PS3 sind es natürlich weit weniger.

Hier muss beachtet werden, dass die "Blütezeit" des PS Plus-Programms auch erst gegen Ende des letzten Konsolenzyklus begann, als nicht nur mehr Spiele zur Verfügung standen, sondern es außerdem ein strategisch guter Zug war, Highlights kostenlos zur Verfügung zu stellen. Da Spieler wussten, dass die nächste Generation schon in den Startlöchern stand, sanken die Verkaufszahlen und das verlockende PS Plus-Angebot mit seinen Gratis-Spielen bot eine gute Möglichkeit, den Schaden zumindest etwas einzudämmen und Kunden an die Vorteile des Programms zu gewöhnen, bevor es sich veränderte und einen anderen Fokus setzte.

Eigentlich geht es gar nicht um die Spiele

Die meisten Spieler haben PlayStation Plus gar nicht für die kostenlosen Spiele abonniert. Vor dem Launch der PS4 mag das der Fall gewesen sein, seither hat sich allerdings die Struktur des Services geändert, weshalb die Erweiterung der eigenen Sammlung eigentlich nur noch zur Nebensache geworden ist.

Der Hauptgrund, warum die meisten Spieler PS Plus zwangsläufig benötigen, ist, weil sie online spielen wollen. Was zu Zeiten der PS3 noch kostenfrei war, ist nun zu demselben Bezahlservice geworden, den Microsoft schon seit Jahren – erfolgreich – für Online-Multiplayer auf ihrer Konsole anbietet. Während sich Microsoft Sonys Praxis annäherte und seit 2013 mit Games with Gold ebenfalls monatlich wechselnde kostenlose Spiele anbietet, zog Sony in Sachen kostenpflichtige Multiplayer nach.

Gelohnt hat es sich für das Unternehmen, denn während die Verkäufe der Konsole mittlerweile bei fast 36 Millionen verkaufter Einheiten liegt, gab Sony an, dass die Anzahl der PS Plus-Mitgliedschaften Ende 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 60% gestiegen wäre. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt, allerdings erklärte das Unternehmen Anfang 2015, dass fast 11 Millionen Spieler den Service in Anspruch nehmen würden. Das dürfte ohne Zweifel an Spielen mit hohem Multiplayer-Fokus wie Destiny, Star Wars: Battlefront oder Call of Duty: Black Ops 3 liegen, deren PS4-Versionen aggressiv beworben wurden und die in erster Linie auf Sonys Konsole gespielt werden.

Hinzu kommen das Share Play-Feature, mit dem ihr Spiele mit euren Freunden teilen könnt und erhöhter Cloud-Speicher. PS Plus ist ein Service geworden, dessen ehemals zentrales Feature zu einem Nachgedanken geworden ist.

Es geht doch um Spiele

Natürlich geht es noch immer um Spiele, allerdings nicht auf die Art, die sich viele oder vielleicht nur eine laute Minderheit wünschen. Ob es dabei um eine allgemeine Ablehnung gegenüber Indie-Spielen oder allem, was nicht gerade ein 60€-Preisschild hat, geht, spielt nicht einmal eine Rolle – ebenso wenig wie die Qualität.

Eines der besten Spiele des letzten Jahres ist der Überraschungshit Rocket League, der sein Debüt bei PS Plus feierte und auch DoubleFines gefeiertes Adventure Broken Age schaffte es kurz nach der Veröffentlichung seiner zweiten Episode ins Programm. Nein, es sind keine Spiele von 600-köpfigen Teams, aber das muss ja auch gar nicht immer sein.

Das heißt nicht, dass diese Spiele nicht kommen werden. Dafür braucht es nur etwas mehr Zeit und Geduld. Spätestens wenn Sony das Versprechen wahr macht und tatsächlich eine "nie dagewesene Welle an Spielen" über uns hereinbricht, dürften es Blockbuster wie Until Dawn, The Order: 1886 oder Bloodborne ins Angebot schaffen.

Wer so lange nicht bezahlen möchte, der kann seine Mitgliedschaft ja pausieren – zumindest falls er keine Online-Spiele spielen möchte. Wenn das der Fall ist, dann beantwortet das allerdings die Frage, wofür das Abo in erster Linie abgeschlossen wurde. Und das wiederum zeigt, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, wenn die kostenlosen Spiele einen nicht immer aus den Socken hauen. Sie sind ja nur ein Bonus.

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