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Ralph Reicht’s verändert Videospielfilme für immer

Ralph Reicht's uns aber noch lange nicht
© Disney
Ralph Reicht's uns aber noch lange nicht

Sobald jemand das Wort „Adaption“ in der Nähe eines Gamers ausspricht, kann er damit rechnen, eine mannigfache Zahl an Reaktionen beobachten zu dürfen. Allerdings unterscheiden die sich höchstens in ihrer Extremität, denn sie alle lassen sich getrost in die Kategorie „negativ“ stecken. Das liegt hauptsächlich an der schwierigen Geschichte, auf die Videospielverfilmungen zurückblicken können. Ein Desaster jagte das nächste, in den schlimmsten Fällen entstand etwas wie Super Mario Bros. oder [hier beliebigen Film von Uwe Boll einfügen], bestenfalls durchschnittliche Brühe à la Prince of Persia: Der Sand der Zeit oder Resident Evil, die nur vage an die Vorlage erinnern oder gerade mal noch den Namen gemeinsam haben. Wen wundert es also, dass viele den Videospielgöttern auf Knien danken, dass Gears of War und Bioshock seit Jahren in der Produktionshölle feststecken und ich jedes Mal ein nervöses Zucken im Auge bekomme, sobald jemand Mass Effect erwähnt?

Die schwierige Beziehung der beiden Medien liegt nicht nur an den Adaptionen (oder unsäglichen Spielen-zum-Film), sondern auch an den Filmen, die über Videospiele gemacht werden. Sofern es sich aber nicht wie bei Joy Stick Heroes um eine 96-minütige Nintendo-Werbung handelt, bekommen wir in Streifen wie Gamer oder eXistenZ dystopische Schattenseiten und Realitätsverlust präsentiert, anstatt eine auch nur halbwegs ausgewogene Repräsentation des Mediums. Vor fast genau einem Jahr habe ich in Von PowerUps, virtuellen Weiten & Spielen im Film diese Problematik bereits angesprochen. Damals habe ich mir nicht erhofft, dass der Anstoß zum Wandel schnell kommen könnte und schon gar nicht, dass Disney für ihn verantwortlich sein würde. Aber am 6. Dezember kommt Ralph reichts von Rich Moore in die Kinos und mit ihm einer der vielleicht wichtigsten Filme, die bisher zum Thema Videospiele gemacht wurden.

Toy Story 2.0
Ralph Reicht’s handelt von Ralph (John C. Reilly), Bösewicht des fiktiven Arcade-Hits Fix-it-Felix Jr., der mehr vom digitalen Leben will als Dinge kaputt schlagen und auf einer Müllkippe hausen, während sein gutmütiger Nemesis gefeiert wird. Um endlich auch etwas Anerkennung zu finden, beschließt er, sein eigenes Game zu verlassen und sich in anderen eine Medaille zu verdienen, die ihm ein besseres Leben ermöglichen soll. Dabei jagt er vom Halo-artigen First Person Shooter Hero’s Duty bis zum Mario Kart-inspirierten Racer Sugar Rush und entführt uns dabei auf eine Reise durch die Videospielkultur, ähnlich wie uns schon Toy Story das Leben von Spielsachen näherbrachte. Das allerdings ist vielmehr der Rahmen, in dem universelle Themen wie „Akzeptiere dich selbst“ behandelt werden, die dem Film das Potenzial geben, alle Zuschauerklassen anzusprechen und ihn so mainstreamtauglich zu machen. Ziel der Disney Animation Studios ist es nicht, nur Gamer und Arcade-Nostalgiker ins Kino zu locken, sondern das breite Publikum.

Die Idee, dass Videospiele zwar im Zentrum stehen, allerdings ohne dabei konkret als Medium thematisiert und bewertet zu werden, ist ein großer Schritt sowohl für sie als auch für die Filmwelt. Diese Art der Akzeptanz ließ sich bisher vergeblich suchen. Das, gepaart mit dem Erfolg an den Kinokassen und bei den Kritikern, öffnet Videospielen neue Türen und gibt Hoffnung auf eine differenziertere Darstellung. Games sind aus der heutigen Kultur und Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Während schon die vergangenen Generationen mit Atari, NES und PlayStation groß geworden sind, haben digitale Spiele, nicht zuletzt dank Smartphones und Nintendos Wii, Einzug in fast jeden Haushalt und jedes Kinderzimmer gefunden. Das macht Ralph Reicht’s auf seine Art zum Toy Story einer neuen Generation.

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moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

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