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Mehr als nur eine Hommage

Aerith lebt!
Der Animationsfilm ist ein Liebesbrief an Videospiele, an deren Kultur, an Arcades längst vergessener Tage, die wir höchstens in Tron Legacy noch einmal zu Gesicht bekommen. An Q*bert und Leeroy Jenkins, an Metal Gear Solid und Clyde, an 8-Bit-Racer und First Person Shooter. Er verteufelt nicht, er behauptet nicht, dass „früher alles besser“ war oder beweint im Stil von Toy Story 3 das langsame Erwachsenwerden eines Mediums, dessen Urvater Pong letzte Woche seinen 40. Geburtstag feierte. Er zollt Tribut, ohne dabei aber zu einer simplen Hommage zu werden, die sich nur durch nostalgische Gefühle von Videospielfreunden zu retten vermag. Zwar finden Kenner an allen Ecken und Enden kleine und größere Hinweise auf die Geschichte des Mediums, sie überschatten aber nie den eigentlichen Inhalt des Films oder mutieren zu einer Parade witziger Cameo-Auftritte. Ralph reicht’s vergisst nie, dass er vor allem ein Film ist, der auch als solcher unterhalten möchte.

Filme über Spiele statt Filme über Spiele
Hollywood kann etwas von Ralph Reicht’s und seinem Erfolg lernen. Was wir brauchen, sind nicht zwangsläufig Adaptionen von Videospielen, sondern gute Filme über Videospiele. Filme, die nicht gleich ein ganzes Medium verdammen, einfach weil es viel leichter ist, sich mit den Gefahren, dem Klischeebild und der Dystopie zu beschäftigen. Natürlich darf, kann und soll es kritische Spiel-Filme geben, allerdings müssen auch positive Gegenbeispiele existieren, die nicht in der Masse des Negativen untergehen. Nur Vielfalt bedeutet Kreativität. Wie oft sollen wir noch mit der Frage konfrontiert werden, wo die Realität beginnt, wo sie aufhört und wie leicht es ist, die Grenzen zu verwischen?

Auch wenn Massenmedien sie gerne herabsetzen, sind Videospiele schon vor einiger Zeit im Mainstream angekommen. Seit 2008 sind sie als Kulturgut anerkannt, übertreffen in Produktionskosten und Einnahmen große Hollywoodblockbuster und haben ab März 2013 eine Dauerausstellung im MoMA. Sie auf die Art zu verteufeln, wie Hollywood es gerne über Jahre hinweg gemacht hat – sofern es nicht um gewinnbringende Adaptionen ging – wirkt mittlerweile fast so altmodisch wie das Flugblatt, das 1929 den Tonfilm als geistigen Mord und Kitsch beschrie und wie diejenigen, die mit dem Aufkommen des Rock’n’Roll das Ende der Zivilisation kommen sahen. Ralph Reicht’s gibt den Anstoß, die Denkweise der Filmindustrie zu ändern, und selbst wenn ein Gamer den Film nicht mögen sollte, das alleine ist eigentlich schon ein Grund, dankbar für ihn zu sein.

Wie findet ihr die Idee zu Ralph Reicht’s? Habt ihr vor, ihn anzusehen?

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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