Resident Evil 7 – Jetzt kann es Capcom auch bleiben lassen

Resident Evil 4
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moviepilot Team
Tim_Hoedl Tim-Philipp Hödl
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"Bald kündigt Capcom doch bestimmt Resident Evil 7 an", dachten sich zahlreiche Fans der Reihe, als ein vermeintliches Teaser-Poster im Mai 2013 eine Enthüllung während der damaligen E3 versprach. Dass sie der Duft aus der Gerüchteküche in diesem Fall an der Nase herumführte, hielt sie nicht davon ab, ihre Hoffnungen nur ein Jahr später an weitere Spekulationen zu knüpfen. Aber auch diesmal vergebens.

Dann eben 2015. Schließlich holte Revelations 2-Produzent Michiteru Okabe die Träume von Resident Evil 7 schon im Januar aus dem Winterschlaf. Im Herbst vertröstete der hochrangige Capcom-Mitarbeiter Masachika Kawata die Fans allerdings: Noch sei man nicht in der Lage, darüber zu sprechen. Trotzdem bat er darum, die Augen offen zu halten.

Eigentlich verständlich. Immerhin feierte die Resident Evil-Serie kürzlich ihren 20. Geburtstag. Welchen besseren Anlass gäbe es wohl, Spielern mit der Ankündigung ein großes Geschenk vor die Nase zu setzen. Dabei stellt sich die Frage, wann der Spielehersteller nun endlich den siebten Teil vorstellt, gar nicht mehr. Denn die Marke rutscht eine Abwärtsspirale runter, die sie nicht mehr hinaufklettern kann.

Und Schuld daran ist die Schlappe, die Capcom mit dem Resident Evil-Remake hinnehmen musste. Das legt jedenfalls Serienschöpfer Shinji Mikami (The Evil Within) im Gespräch mit IGN nahe:

Wegen der Reaktionen auf das Resident Evil-Remake habe ich beschlossen, mehr Action in Resident Evil 4 einzuarbeiten. Resident Evil 4 wäre ein gruseligeres, mehr auf Horror bedachtes Spiel geworden, wenn sich das Remake gut verkauft hätte.

Der Erfolg des vierten Teils bestärke Capcom offenbar darin, den eingeschlagenen Kurs auch ohne Mikami beizubehalten, obwohl von Seiten der Fans Gegenwind drohte. Das Ergebnis: Resident Evil 5, das allein im Release-Monat in mehr als 4 Millionen Hände wanderte und in den folgenden Jahren an die Spitze der meistverkauften Titel des Publishers aufstieg.

Während sich Fans der ersten Tage darüber wunderten, dass die Reihe trotz der Neuausrichtung so einen enormen Zuwachs bekam, sah Capcom natürlich gerade in dieser Entscheidung den Grund dafür – also weiter volle Kraft voraus in Richtung Massenmarkt. Allerdings sollte Resident Evil 6 dort nicht so recht ankommen, zumindest aus Publisher-Sicht. Zwar stand der sechste Teil bereits ein paar Monate nach Veröffentlichung davor, die 5 Millionen-Hürde zu nehmen, doch Capcom wertete das dennoch als Fehlschlag, da sie ursprünglich 7 Millionen Stück an die Spieler bringen wollten.

Dieser Rückschlag zeigte vor allem zwei Dinge: Zu Call of Duty und Co. rüberzuschielen, zahlte sich aus, aber ohne Survival Horror schafft es die Reihe auf Dauer eben auch nicht, den finanziellen Druck einer modernen AAA-Produktion zu stemmen. Wie würde Resident Evil 7 darauf reagieren? Vor einer Antwort drückt sich die Serie bislang. Stattdessen genügt sie sich nach wie vor damit, von altem Ruhm zu leben, Klassiker für moderne Systeme aufzupolieren oder ihren Namen für mal mehr, mal weniger brauchbare Spin-offs herzugeben. Das Ziel: möglichst jeden schon gewonnen Käufer mit geringem Aufwand zu halten.

Wobei in den Neuauflagen die Chance schlummerte, uns daran zu erinnern, was Resident Evil einmal war, und was es wieder sein könnte. Und anfangs schien es noch wirklich so, als verfolge Capcom diese Strategie. Zuerst nahm sich der Hersteller vor, mit den HD-Fassungen von Resident Evil und Resident Evil Zero den Herrenhaus-Horror wiederzubeleben, anschließend kündigte er sogar an, ein vollwertiges Remake von Teil 2 aus dem Boden stampfen zu wollen – nur um uns dann mit Remasters von Resident Evil 4, 5 und 6 zu überrumpeln.

Die Serie versucht somit weiterhin, ihre Zukunft zu bestreiten, indem sie sich auf ihrer wechselhaften Vergangenheit ausruht. Damit lässt sie einerseits zu, dass Action- wie Horror-Fans an ihr zerren und ihre teils vollkommen unterschiedlichen Erwartungen an sie knüpfen. Andererseits entwertet sie sich schleichend selbst. Schließlich haben wir Resident Evil in den letzten Jahren nicht mehr als Marke erlebt, die uns mit einem ausgeklügelten PR-Plan samt wuchtiger Trailer zur Vorbestellung eines Vollpreistitels verleiten will, sondern als Marke, über die wir bei Steam Sales oder ähnlichem stolpern.

Welchen Weg Resident Evil mit einem möglichen siebten Ableger der Hauptreihe einschlägt, ist egal. Einen Teil der Fans würde das Franchise in jedem Fall verlieren und der andere wäre zu klein, um den Produktionsaufwand zu rechtfertigen. Die Entscheidung darüber, wie es mit Resident Evil weitergeht, liegt also nicht mehr beim Hersteller – denn die hat ihm die Zeit schon abgenommen.

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