The Division könnte das werden, was Destiny-Spieler noch immer suchen

Kann sich Destiny  gegen The Division behaupten?
© Bungie / Ubisoft
Kann sich Destiny  gegen The Division behaupten?
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R3nDom Dom Schott
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Mit Destiny setzte das Entwicklerteam von Bungie vor zwei Jahren zum großen Sprung auf eine Nische an, die für Konsolenspieler noch nicht erschlossen war: Die innovative Kreuzung aus traditionellem MMORPG und modernem Ego-Shooter wollte uns zu einem Hüter der Ordnung machen, die wir im Kampf gegen verschiedene Aliens, Invasoren und dunkle Kräfte wiederherzustellen versuchen — zumindest glaube ich das. Denn Destiny scheiterte von Beginn an, seine Geschichte von epischem Ausmaß spannend oder auch nur verständlich zu erzählen. Vor allem dieses Versagen im Storytelling stieß unheimlich vielen interessierten Spielern vor den Kopf, die sich von den Halo-Machern ein neues Weltraummärchen gewünscht hatten. Doch immerhin die Kernmechaniken, die Destiny anbot, funktionierten von Beginn an gut und so landete der Grind-Shooter schließlich in der "Ich verstehe nichts, aber es fühlt sich gut an!"-Schublade.

Doch das Vertrauen in den Sci-Fi-Spielekoloss, der nach Bungies Aussage über 10 Jahre lang bestehen und erweitert werden soll, muss immer wieder heftige Treffer einstecken: Mit der Erweiterung König der Besessenen überarbeitete das Studio Destiny 2015 grundlegend und behob nervige Mängel beim Matchmaking sowie Item-System weitestgehend. Diese Generalüberholung des Spiels war Bungie satte 50€ wert — Hüter der ersten Stunde zahlen schlussendlich also zwei mal den vollen Preis für das gleiche Spiel.

Ein neuer Konkurrent

Die Einschläge der Enttäuschung erreichten die Community nun in immer kürzeren Abständen: So erscheint das offenbar für 2016 angepeilte Destiny 2 wohl doch nicht mehr in diesem Jahr, mehrere DLCs sollen einem Insider zufolge für Ersatz sorgen. Wie die genau aussehen soll, weiß Bungie allerdings selbst noch nicht. Kurz darauf wurde dem leitenden Verantwortlichen des Spiels gekündigt, für kurze Zeit war das Projekt Destiny wortwörtlich kopflos. Wie soll es nun mit Destiny weitergehen?

Mit Ubisofts The Division kündigt sich nun ein Spiel an, das uns einen Vergleich mit Destiny geradezu ins Gesicht drückt, denn die grundlegende Ausrichtung ist die gleiche: Gemeinsames looten und leveln mit und gegen andere menschliche Spieler, während Kimme und Korn immer nach vorn zeigen. Allerdings hat Ubisoft seinem MMORPG-Shooter einige Features verpasst, die besonders für die leidgeplagte Destiny-Community schmackhaft sein könnten. Während die Core-Spieler wohl weiterhin unbeeindruckt das All erkunden und ihre mühselig gesammelten Fortschritte und Waffen nicht aufgeben werden, dürfte der Wechsel zum Konkurrenten für einen Großteil der Gelegenheitsspieler aus folgenden Gründen enorm verlockend sein:

1. The Division bietet ein frisches Setting

Ganz offensichtlich ist die Wahl der Spielwiese eine Frage des eigenen Geschmacks, doch wenn es nach Ubisoft geht, so soll The Division alleine wegen seines realistischeren Schauplatzes bereits die Nase vorn haben:

Die Tatsache, dass unser Szenario geerdet und in der Realität angesiedelt ist, dass es sich also um ein "Was wäre wenn"-Szenario handelt, unterschiedet uns von den meisten anderen Spielen. Wir haben keine Aliens, keine Zombies und auch keine verrückten Monster, die durch unsere Spielwelt laufen. The Division basiert auf einer realen Gefahr, einem klaren und allgegenwärtigen Risiko für unsere Gesellschaft.

Natürlich liegt es im Interesse des Publishers, möglichst gute Worte über sein eigenes Spiel zu verlieren, allerdings ergibt diese Sichtweise tatsächlich in vielen Ohren Sinn: Die grauen, düsteren Straßen von New York fangen die Faszination der Post-Apokalypse hervorragend ein, die bisher so vielen Spielen zum Erfolg verholfen hat. Uns vertraute Architektur völlig zerstört oder in abenteuerlich recyceltem Zustand zu sehen, bietet immer wieder Stoff für spannende Schauplätze. Dennoch bleibt dieser Punkt eine höchst individuelle Geschmacksfrage und ist damit sicherlich eines der wackeligsten Argumente für den Wechsel in das Division-Universum.

2. Das New York der Post-Apokalypse ist eine zusammenhängende Welt

Hier dürften sich einige Hüter-Ohren senkrecht aufstellen: So visuell ansprechend die Welt von Destiny auch ist, so zerstückelt wird sie präsentiert. Jeder Ortswechsel wird von einer längeren Ladepause begleitet, was das Spielerlebnis im Grunde unnötig zerstückelt. Destiny zu spielen, fühlt sich wie das Erkunden vieler kleiner und großer Inseln an, die irgendwie unabhängig voneinander koexistieren.

The Division hingegen legt viel Wert auf eine durchgängig präsentierte Welt: Kein Ladebalken soll die Missionsbesprechung vom Einsatzgebiet trennen und auch der Blick ins Inventar befördert uns nicht in ein Pause-Menü, sondern projiziert ein Hologramm direkt in die Spielwelt. Dieser erhöhte Spielfluss fühlt sich modern an und gibt uns das Gefühl, in einer gigantischen, zusammenhängenden Welt zu agieren, die von unseren Taten direkt beeinflusst wird — ein großer Unterschied zum zielorientierten "Rein und wieder raus"-Prinzip, das den Spielaufbau von Destiny bestimmt.

3. The Division schreibt euch keinen Spielstil vor

Die Spielmechaniken von Destiny fußen auf einem sehr traditionellen Gerüst: Zu Beginn wählt ihr eine der drei verfügbaren Klassen und bestimmt so euren zukünftigen Spielstil maßgeblich. Gleichzeitig ist nur ein Drittel der von euch gefundenen Ausrüstung tatsächlich auch mit eurer Klasse kompatibel: Unter anderem war dieser Umstand in den ersten Monaten des Spiel Anlass für viele zornige Reviews und Kritiken. Viel zu häufig kämpften sich Spieler teils stundenlang durch Dungeons, nur um dann mit durchschnittlichen Waffen belohnt zu werden, die sie nicht einmal selbst anlegen durften.

The Division umschifft diese zahlreichen Probleme und die Beschränktheit eines Klassensystems, indem es jedem Spieler die gleichen Startbedingungen bietet: Wir dürfen immer jeder Waffe und jeden Gegenstand benutzen und formen uns damit durch unser Spielverhalten auf ganz natürliche Weise eine eigene, individuelle Klasse. Auch das sogenannte End Game soll von diesem Design profitieren: Statt wie in Destiny zufallsgenerierte Item-Drops zu erzwingen und zu hoffen, etwas Brauchbares zu finden, konzentriert sich The Division im späteren Spielverlauf auf Upgrades für Waffen und Rüstungen, die um zahlreiche Stufen verbessert werden können.

Aber wird The Division tatsächlich der Todesstoß für Destiny?

Sicherlich kein "Todesstoß", zumindest nicht unmittelbar. Über die letzten Monate hat sich Bungies MMO-Shooter eine große Core-Community herangezogen, die täglich stundenlange Events erledigt und im PvP-Modus gegeneinander antritt. Die Zeit und Energie, die diese Spieler in die Welt von Destiny bereits investiert haben, werden nicht so einfach durch den neuen Konkurrenten The Division relativiert. Neuere Spieler allerdings, die mit dem Sci-Fi-Universum nie so recht warm wurden, könnten sehr wohl zu Ubisoft abwandern — und ihre Begeisterung dürfte auch den ein oder anderen überzeugten Destiny-Anhänger zumindest zum Nachdenken bringen, ob die Zukunft nicht doch etwa in den grauen Straßen von New York zu finden ist.

Falls Ubisoft sein Projekt allerdings in den Sand setzt, wird der potente Konkurrent wieder schnell in die Knie gehen. Die ersten Eindrücke der anstehenden Beta werden für den Erfolg von The Division ungemein wichtig sein und darüber entscheiden, ob wir in einigen Monaten tatsächlich einen Schlussstrich unter Destiny ziehen können oder nicht.

Antworten auf konkrete Fragen zur Anmeldung und den zu erwartenden Inhalten der Beta findet ihr hier.

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Ich weiß doch auch nicht.
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