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The Division — Sind wir die Bösen?

The Division
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Ich weiß doch auch nicht.
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Mit Tom Clancy's The Division will uns Ubisoft zum Agenten der Elite-Einheit Division machen, die letzte Bastion zwischen superschlimmen Supervirus und der Menschheit. Jeder von uns hat damit den Auftrag erhalten, sich durch die Ruinen von New York zu buddeln, um dem Gegenmittel auf die Spur zu kommen und das Überleben der Zivilisation zu sichern.

Aber irgendwie kann ich dieser Geschichte nicht glauben. Ich habe eine Theorie, dass ausgerechnet die Ritter in strahlender Division-Rüstung das wahre Böse sind und alles andere als die Rettung der Menschheit im Sinn haben. Und ich kann es auch beweisen.

Im Folgenden werde ich die Geschehnisse nachzeichnen, die zu den spielbaren Ereignissen in The Division geführt haben und aufdecken, wieso die Agenten so interessiert an der Entdeckung eines Gegenmittels sind. Ich habe mich darum bemüht, möglichst wenig im luftleeren Raum zu spekulieren und mich stattdessen auf die Grundlagen zu stützen, die die Entwickler bisher über ihr Spiel verraten haben. Als Quellen dienen mir hierbei die Data-Pads und Kodex-Texte, die während der Beta im Spiel gesammelt werden konnten und nun im Division-Wiki zu finden sind.

Und damit spiele ich nun ein wenig Musik von "X-Faktor: Das Unfassbare" ein, verwandle meine Frisur in Jonathan Frakes, stelle mich neben einen Taubenkäfig und breite meine Theorie vor euch aus.

Der Schwarze Freitag: Die Vorgeschichte

Im Jahre 2001 startet das Projekt "Dark Winter", eine Art Generalprobe für den Fall eines biochemischen Angriffs auf die Vereinigten Staaten. Dark Winter sollte herausfinden, wie effektiv und koordiniert die Bevölkerung und Regierung auf eine solche Bedrohung reagieren würde. Allerdings eskalierte die Situation recht schnell und es kostete das Land enormen Aufwand, das Experiment wieder unter Kontrolle zu bringen. Das Fazit der Regierung, das wir als Data-Pad auch in der Beta von The Division entdecken durften, klingt ernüchtert:

Dark Winter hat uns vor Augen geführt, wie verwundbar wir geworden sind. Unser Lebensstil und unsere Sicherheit sind von einer sehr empfindlichen und instabilen Wirtschaft abhängig. Wir haben ein System erschaffen, das wir heute nicht mehr kontrollieren können. (...) Wir leben in einer komplexen Welt und je komplexer sie wird, desto instabiler wird sie auch. Dieses System fußt auf einer Versorgungskette, die sichergeht, dass immer dort genau das vorhanden ist, was gebraucht wird. Wir haben ein riesiges Kartenhaus gebaut. Wenn auch nur eine Karte entfernt wird, fällt alles auseinander. Und was nährt dieses System? Geld. Einzig und allein Geld.

Aus diesem Vorfall wurde gelernt. 2007 verabschiedet die US-Regierung im Geheimen die sogenannte "Direktive 51": Diese besagt, dass im Fall eines biochemischen Angriffs und landesweiten Notstandes der neu gegründete Geheimdienst The Division die Entscheidungsgewalt vor Ort übernimmt. Diese Elite-Einheiten unterstehen einzig dem US-Präsidenten und wurden darin geschult, auch ohne direkte Anweisungen alles Notwendige zu unternehmen, an ihren Einsatzorten Disziplin und Ordnung wiederherzustellen.

Dann kam es zu dem legendären Schwarzen Freitag, der die Ereignisse im Spiel ins Rollen brachte. Eine Mutation des Pocken-Virus, das über Geldscheine verbreitet wurde, brachte das Kartenhaus der amerikanischen Gesellschaft innerhalb einer knappen Woche zu Fall. Die Agenten der Division übernahmen an den Brennpunkten die Kontrolle, errichteten Quarantäne-Zonen und steuerten ab sofort die Verteilung von Lebensmitteln, Schlafplätzen und medizinischen Vorräten.

Ein Inside Job

Die Organisation hinter diesem biochemischen Angriff ist unbekannt, doch ich glaube, dass die Regierung selbst dahintersteckt. Nach der Testphase "Dark Winter" des Jahres 2001 wurde dem Präsidenten mehr als deutlich vor Augen geführt, wie instabil das System war, an dessen Spitze die Regierung stand. Wie er selbst sagte, haben die Vereinigten Staaten die Kontrolle über ihren eigenen Lebensraum verloren. Also brauchte es einen radikalen Neuanfang, ein stärkeres Fundament für einen frischen Start.

Damit begannen die langwierigen Vorbereitungen für den Schwarzen Freitag und die Direktive 51: Der Plan sah vor, das Gleichgewicht der Gesellschaft absichtlich aus den Fugen zu bringen, um in der anschließenden Anarchie mit starker Hand eine neue Ordnung zu errichten, in die nur bestimmte Bevölkerungsgruppen gezielt aufgenommen werden sollten. Das erhoffte Ergebnis: Die Bildung einer neuen, stärkeren, stabileren Gesellschaft. Die Division wurde gegründet und direkt auf den Präsidenten als einzige Autorität eingeschworen. Damit stellte die Regierung sicher, dass das Chaos kurz nach der Epidemie von den regierungstreuen Agenten wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Dass die Wahl des gefährlichen Virus auf die Pocken fiel, ist übrigens alles andere als Zufall, denn diese Erkrankung hat eine relativ lange Inkubationszeit. Das bedeutet, dass meist etwa 12 bis 14 Tage vergehen, bis erste Symptome auftreten. Gleichzeitig verbreiten sich Pocken auf vielen verschiedenen Wegen und sind sowohl auf kontaminierten Gegenständen als auch bei Hautkontakt höchst ansteckend. Damit wurde sichergestellt, dass sich die Krankheit schnell und in möglichst vielen Städten verbreiten konnte und nicht etwa durch die Arbeit örtlicher Krankenhäuser eingedämmt wurde: Ein klarer Schlussstrich unter dem Status Quo, der von der Regierung geführt und von lokalen Hilfstruppen nicht rechtzeitig erkannt wurde. Dabei realisierten die Urheber des Angriffs auch dank des Testdurchlaufs von 2001 sehr genau, dass die virale Infizierung am schnellsten über die Grundlage des alten, schwachen Systems gelingen würde: Das Geld.

Straßenkampf

Der Plan ging auf. Am Ende dieser Ereigniskette liegt das Amerika der alten Ordnung in Trümmern. Die Division hat die größten Städte des Landes unter ihrer Kontrolle und ist nun darum bemüht, das Monopol auf das Gegenmittel zu erlangen. Dieses Ziel ist nicht nur wichtig, um eine neue Gesellschaft mit gesunden Menschen aufzubauen, sondern auch um eine unerwartet starke Gegenmacht im Kampf um die Zukunft des Landes auszuschalten: Die Rikers.

Die Rikers sind eine organisierte Gang, die in allen großen Städten Amerikas Schwerverbrecher rekrutiert und das Recht des Stärkeren auslebt. Zudem finden sie breite Unterstützung durch die zahlreichen Kleinkriminellen, die mit Müh und Not diese moderne Apokalypse überlebt, von der Division allerdings nicht in die Quaräntezonen gelassen werden. Mit dem Gegenmittel in ihrer Hand würden noch mehr Zivilisten zu den Rikers in der Hoffnung auf Heilung und Sicherheit überlaufen, die Division stünde auf verlorenem Posten. Um genau das zu verhindern, ist es unsere drängendste Motivation in den Ruinen New Yorks nach dem Gegenmittel zu suchen: Es ist eine machtpolitische Strategie. Wer das Virus heilen kann, darf die neue Gesellschaft anführen. Ein Wettrennen, dass die Regierung wohl nicht vorausgesehen hat.

Bis dieses Mittel zum Einsatz bereitsteht, setzt die Division ihre Quarantäne-Politik eisern durch, die alles andere als human erscheint. Am Beispiel der New York-Stützpunkte können wir die Charakteristika der Division-Besatzung ablesen:

  • Bettler und Hilfsbedürftige werden innerhalb und außerhalb der Quarantäne-Zone geduldet, allerdings dürfen wir ihnen nicht helfen, dem sozialen Loch wieder zu entkommen. Stattdessen halten wir eine Beziehung beiderseitiger Interessen aufrecht: Hin und wieder fragt uns ein Bettler nach Nahrung im Austausch gegen Kleidung, Munition und Ausrüstungsgegenstände. Durch diesen Handel macht die Division die mittellose Schicht von sich abhängig und unterhält gleichzeitig eine große Zahl an Spionen und Plünderern, die Ausrüstung aus den gefährlichen Ecken der Stadt besorgt.
  • Der Widerstand auf den Straßen gegen die Division darf von uns jederzeit gewaltsam niedergeschlagen werden. Dabei legitimiert die Division die Schusswechsel mit den Kleinkriminellen durch den Verweis auf das Gesetz, das sie selbst geschrieben hat. Alle Menschen, die unter dem Schutz der Division leben, werden als Zivilisten bezeichnet, während die Gegner in den Straßen als "gesetzlos" klassifiziert werden. Die Tatsache, dass diese Menschen permanent von uns im Stich und der Gnade der Rikers überlassen werden, blenden die Agenten dabei aus.
  • Das militante Selbstverständnis der Division spiegelt sich in den Perks und Fähigkeiten wider, die wir im Laufe des Spiels als Agent freischalten. Diese tragen Bezeichnungen wie "Fear Tactics", "Police Up", "Shock and Awe" oder "Desperate Times" und vermitteln den Eindruck einer rigorosen Militärregierung statt einer humanitären Verwaltungsstruktur.

Gestützt wird dieses temporäre Regime von den Agenten. Zwar sind bisher nur wenige Biographien bekannt und öffentlich, doch scheinen sie alle bestimmte Gemeinsamkeiten zu teilen: Agenten wie die im Intro vorgestellte Kriegerin Faye Lau verschrieben sich der Division, als sie an einem kritischen Punkt ihres Lebens dringend Hilfe benötigten. Die Division war zur Stelle und unterstützte die fähigen Auserkorenen. Das Ergebnis dieses Vorgehens ist eine Elite-Truppe, die die Institution der Regierung nicht anzweifelt, sondern aus tiefer Dankbarkeit heraus dient.

Die Dark Zone: Kontrollierte Anarchie

Die Dark Zone schließlich ist das letzte Mosaikstückchen, um meine Theorie abzuschließen. Vom Spiel als besonders gefährliche und chaotische Zone beschrieben, handelt es sich hierbei um nichts anderes als eine Arena für die Division-Agenten. Wie der Name andeutet, bleiben die Geschehnisse in diesem abgeriegelten, isolierten Gebiet unter der Oberfläche der allgemeinen Aufmerksamkeit: Alles, was hier passiert, wird von der Regierung weder kontrolliert noch strafrechtlich verfolgt.

Offiziell wird die Dark Zone als mögliches Bergungsgebiet für Ausrüstung und Waffen bezeichnet, tatsächlich aber ist es ein Ort, an dem Agenten ihre internen Streitigkeiten und Konkurrenzkämpfe beilegen können. Warum das nötig ist? Wie ich oben bereits erklärte, rekrutiert sich die Division aus einer gesellschaftlichen Elite: Im vollen Bewusstsein, etwas besseres zu sein, ist es durchaus vorstellbar, dass es unter den ehrgeizigen Agenten immer wieder zu Reibereien kommt. Um die Sicherheit der Quarantäne-Zonen nicht zu gefährden, ist die Dark Zone das Ventil, um angestautem Frust und Aggressionen Luft machen zu können. Ein Gebiet, das von der Division für diese Zwecke von Tag 1 an aufgegeben wurde.

Ja, ich glaube, die Division sind die Bösen und wir — zumindest zu Spielbeginn — ein Zahnrädchen von vielen, die die Pläne der Regierung vorantreiben. Eine unbekannte Konstante im Universum von The Division gibt es allerdings noch: Eine Fraktion, die von Ubisoft bisher nicht enthüllt wurde. Hier kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es sich um eine Rebellengruppe handelt, die sich möglicherweise aus ehemaligen Division-Agenten oder Kriminellen rekrutiert, die die Pläne der Regierung durchschaut haben. Möglicherweise werden wir im Laufe der Geschichte die Möglichkeit bekommen, die Fronten zu wechseln und für die Menschen zu kämpfen, die in den Straßen der Städte sich selbst überlassen wurden. Oder wir entscheiden uns dafür, weiter an der Seite der Division die Pläne der Regierung auszuführen und eine neue amerikanische Gesellschaft aus dem Blut ihrer zahlreichen Opfer zu heben.

UPDATE

Mehrere Wochen nachdem ich meine Theorie ins Netz hinausgeschossen habe, scheinen sich die Hinweise zu verdichten, dass ich tatsächlich gar nicht mal so falsch lag. Der offizielle Roman zum Spiel "New York Collapse", der die Vorgeschichte des Spiels erzählt, deutet an, dass die Division offenbar wirklich nicht die strahlenden Ritter sind, wie alle glauben.

Die in Bleistift geschriebenen Anmerkungen sprechen von einem unguten Gefühl des Protagonisten gegenüber den Agenten der Division. Es ist nur ein Hinweis in einer Kette von Unsicherheiten — aber ihr müsst zugeben, dass meine Theorie allmählich immer weiter in den Bereich des Möglichen rückt.

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Ich weiß doch auch nicht.

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