Hugventure

Umarmungen für alle im Test zum bizarren Clown-Adventure Dropsy

Dropsy
© Devolver Digital
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Das Point & Click-Adventure Dropsy wird von Publisher Devolver Digital als Hugventure bezeichnet — aus gutem Grund. Der gleichnamige Protagonist ist schließlich ein unbedarft-tollpatschiger Clown, der alles umarmt, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Im Zweifelsfall bekommt dann der Baum einfach auch eine Umarmung spendiert.

Doch die vom Schicksal gebeutelte Hauptfigur hat auch wirklich gute Gründe, um zwischenmenschliche Nähe zu suchen. Einst hat es sich bei Dropsy um einen gefeierten Zirkus-Star gehandelt, bis ein von ihm verursachter Brand ihm seinen Ruhm, seinen Arbeitsplatz und seine Mutter nahm. Seit diesem schrecklichen Ereignis ist die Welt gegen ihn und sein Vater ist mittlerweile obendrein schwer krank geworden.


Doch Dropsy ist ein lebensfrohes Naturell und anstatt zu lamentieren, begibt er sich gemeinsam mit seinem Hund auf eine bunte, bizarre Reise, auf der er Fremde umarmt, Bedürftigen hilft und Geheimnisse ans Licht bringt. Eure Aufgabe ist es, die Wünsche dieser Figuren zu erfüllen und auf diese Weise deren Sympathie zu gewinnen, damit Dropsy sie knuddeln kann.

Dabei könnt ihr zwischen dem Clown und seinem Vierbeiner wechseln, um verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Wie in jedem anderen Point & Click-Adventure gibt es viele Rätsel zu lösen, Items zu sammeln, Objekte zu untersuchen und Dinge zu sehen. Doch was Dropsy für mich zu einem besonders interessanten, aber gleichzeitig auch schwierigen, Titel macht, ist der Verzicht auf Text sowie der Wechsel zwischen Tag und Nacht.

Zwecks Kommunikation mit tierischen sowie menschlichen NPCs müsst ihr im wahrsten Sinne des Wortes von Zeichensprache Gebrauch machen — statt Buchstaben sind nämlich Piktogramme das Medium, mit dem Bedeutung übermittelt wird.

So interessant ich diese Herangehensweise auch finde, manchmal sorgte sie bei mir für enorme Verwirrung, weil den Entwicklern absolut klar war, was der NPC mit den Piktogrammen kommunizieren sollte, mir aber nicht. Ein Beispiel: Auf einem Spielplatz trefft ihr ein Mädchen, das abgrundtief traurig ist, weil die von ihr gepflanzte Blume eingegangen ist. Da Dropsy in Begleitung seines Hundefreunds unterwegs ist, der es liebt gegen Hydranten & Co. zu urinieren und außerdem gerne im Erdreich wühlt, wollte ich den Hund den Boden umgraben lassen und ein florierendes Pflänzchen einsetzen. Es funktionierte nicht. Egal, wie oft ich es auch probierte. Irgendwann gab ich frustriert auf und zog samt Dropsy und seines vierpfotigem Freundes weiter.


Die Lösung des Problems bot sich mir einige Zeit später. Im Point & Click-Adventure geht ein Tag-Nacht-Wechsel vonstatten, während ihr durch die verschiedenen Screens lauft. Damit verändern sich auch die Positionen von Charakteren, die zu bestimmten Tageszeiten an anderen Orten oder gar nicht mehr auffindbar sind. Als ich nachts erneut zufällig über den Spielplatz lief, saß das Mädchen (glücklicherweise) nicht mehr neben dem welken Gewächs. Ich probierte erneut mit dem Vierbeiner die Erde umzugraben, hatte dieses Mal Erfolg, konnte die frische Blume einsetzen und sah das Mädchen am nächsten Tag vergnügt umherspringen. Was an dieser Stelle einfach klingt, war mir beim Spielen hingegen überhaupt nicht klar, weil kein Hinweis darauf gegeben wurde, dass ich es zu einer anderen Tageszeit noch einmal versuchen sollte.


Trotz der zeitweisen Schwierigkeiten, die mir Dropsy bereitete, überrollte mich die Warmherzigkeit, die diesem Indie aus jeder Pore unter einer dicken Schicht Clownschminke quillt. Jede Umgebung hat ihren eigenen Musikstil, jeder NPC hat ganz eigene Bedürfnisse und Sorgen, in den Optionen könnt ihr Dropsy's gelbe Clownsschuhe zum Quietschen bringen und Dropsy gibt weniger berührungsfreudigen Personen Fistbumps. Außerdem haben sowohl Dropsy (heimischer Thron, Dixi-Klo) als auch sein Hund (Hydranten, Gartenzwerg, Roboter) einen Toilettenbonus. Dropsy quittiert sein verrichtetes Geschäft übrigens mit zufriedenem Glucksen.

Ein durch und durch heiteres Point & Click-Adventure solltet ihr trotz amüsanter Aspekte nicht erwarten. Zwar erinnert mich die Ästhetik des Indies an Adventure Time, doch ebenso wie die US-amerikanische Serie verkommt das Spiel nicht zu schlichtem Klamauk, sondern bewahrt sich seltsam bedrückende Untertöne. Auf dem Friedhof möchte Dropsys Hund beispielsweise unbedingt ein besonders kleines Grab umbuddeln und auch mit dem Horror-Image des Protagonisten wird gespielt. Im heimischen Badezimmer kann Dropsy mit dem Spiegel interagieren und schneidet Grimassen, erst beim dritten Klick blickte mir eine angsteinflößende Fratze entgegen. Danach wollte Dropsy nicht mehr in den Spiegel schauen — ich übrigens auch nicht.


Seitdem ich denken kann, hege ich keine große Sympathie gegenüber Clowns. Verstörende Vertreter wie Pennywise aus Stephen Kings Es oder das im Film Amusement vorkommende Exemplar hatten verheerenden Einfluss auf mein Clown-Bild. Meine Angst kulminierte eines Tages darin, dass ich in einem auf Halloween getrimmten Vergnügungspark von einem Schausteller im Killer-Clown-Kostüm verfolgt wurde.

Trotz dieser Phobie schloss ich den tollpatschig-naiven Dropsy und sein bizarres Point & Click-Adventure in mein Herz – auch wenn ich während des Spielens ein gewisses Unwohlsein wegen meines clownigen Protagonisten nie ganz los wurde. Aber ganz ehrlich: Wenn ein Clown im städtischen Klub twerkt, fällt es schwer, wirklich Angst vor ihm zu haben.


Fazit

Dropsy ist ein bizarres Point & Click-Adventure im Pixel-Look, das auch diejenigen unter euch ausprobieren sollten, die mit Clowns bisher nicht warm geworden sind. Der gleichnamige, naiv-tollpatschige Protagonist, der einfach nur lieb gehabt werden möchte, erweicht mit Sicherheit alle Herzen. Der Entschluss des Titels, mittels Piktogrammen zu kommunizieren, ist gleichermaßen interessant wie herausfordernd.

Die von den Charakteren durch Piktogramme kommunizierten Bedürfnisse können allerdings nicht immer mit Leichtigkeit und ad hoc dekodiert werden. Außerdem wechseln mit den Tageszeiten auch die Figuren ihre Aufenthaltsorte und auf manche NPCs (und damit manchmal auch Lösungen für Aufgaben) bin ich nur zufällig gestoßen.

Das bizarre Point & Click-Adventure Dropsy erobert mit seiner berührenden Geschichte nicht nur euer Herz, sondern fordert gleichzeitig den Verstand heraus.
  • herzerwärmende Geschichte
  • liebevolle Details
  • Verzicht auf Text zur Kommunikation
  • Tag-Nacht-Wechsel
  • Verständnisschwierigkeiten durch Piktogramme
  • unklare Aufenthaltsorte von NPCs

Dropsy wurde uns in Form eines PC-Codes zur Verfügung gestellt.

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