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Cross-Genre und unmögliche Adaptionen

Das Genre eines Werkes zu definieren, ist nicht einfach. Häufig verbindet ein Titel mehrere Gattungen und es ist nicht immer simpel, den Schwerpunkt herauszufiltern. Ist Jäger des verlorenen Schatzes nun mehr Action oder doch Abenteuer? Wie sieht es mit Uncharted aus? Und verändern die übernatürlichen Elemente der beiden etwas an ihrer Klassifizierung?

Während es bei Filmen noch verhältnismäßig einfach ist, das Genre anhand des Schwerpunkts zu bestimmen, wird es bei Spielen schwieriger, gerade wenn wir über den technischen Tellerrand hinausblicken. Spec Ops: The Line mag zwar auf den ersten Blick ein Shooter und auf den zweiten ein Kriegsshooter sein, erst der dritte verrät uns allerdings den kritischen Ansatz, des stark von Apocalypse Now von Francis Ford Coppola inspirierten Titels, der leicht übersehen werden kann, wenn wir Genre lediglich oberflächlich betrachten.

Die Einsortierungs-Frage selbst sagt recht wenig über ein Spiel aus, da es innerhalb einer Kategorie weitere Unterteilungen gibt, die sich scheinbar unendlich aufschlüsseln. Mit so gut wie jedem Spiel, das veröffentlicht wird, werden neue Sub-Genre geboren. Das trifft besonders auf den Indie-Bereich zu, der nicht an die relativ klassischen Konventionen von Blockbustern für den Mainstream gebunden sind. Sie haben Möglichkeiten, zu experimentieren, wodurch neue Unterkategorien entstehen, wie zum Beispiel philosophische Abenteuer (Dear Esther, Journey), biologische Raumfahrtspiele (Eufloria) oder Titel, die sich so schwer einordnen lassen, dass viele abstreiten würden, dass es sich überhaupt um Spiele handelt (The Graveyard, Bientôt l’été, Proteus).

In gewisser Weise genießen Spiele diesbezüglich eine größere Freiheit als Filme, da das noch recht junge Medium sich unter anderem dank verschiedenster technischer Ansätze auf eine Art immer wieder neu erfinden kann, die anderen, weniger Technik-basierten Medien verwehrt bleibt. Mittlerweile scheinen es Entwickler sogar als eine persönliche Herausforderung zu sehen, nicht nur neue Spiele, sondern gleichzeitig neue Sub- oder Cross-Genre zu kreieren, indem sie die unpassendesten Ansätze zu völlig neuen Erfahrungen verbinden.

Eines für alle, alles für eines
Bestimmte Genre können in allen Medien funktionieren, was wir besonders anhand von Blockbustern erkennen können. Damit meine ich sowohl die Produktionen, die jeden Sommer im Kino laufen, als auch die AAA-Titel, die Jahr für Jahr erscheinen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um actionlastige Werke mit hohem Budget und größerer Reichweite. Für jedes World War Z, Elysium oder White House Down gibt es ein The Last of Us, Fuse oder Battlefield 4.

Obwohl es viele Überschneidungen gibt, funktionieren bestimmte Genre nur in einem Medium oder lassen sich zumindest schwer in ein anderes übertragen. Wie sollte beispielsweise ein Textadventure wie Adventureland im Kino aussehen?

Einige Genre wurden bereits (erfolglos) in Form von Videospieladaptionen auf die große Leinwand gebracht. Wie großartig Jump’n’Runs sich dabei machen, hat uns Super Mario Bros. gezeigt während Street Fighter: The Legend of Chun-Li wahrlich ein Paradebeispiel für verfilmte Beat ‘em Ups ist.

Aber nicht nur bestimmte Spiele-Genres scheiden für eine Kinoadaption aus, auch Filmkategorien wollen sich nicht unbedingt in Spiele verwandeln lassen. Es dürfte sicher eine Zeit dauern, bis ihr eine Dokumentation mit dem Controller zocken könnt. Ebenso eine Liebeskomödie oder gar ein Kammerspiel. Zwar gibt es sogenannte Escape the Room-Games, die lediglich in einem einzigen Zimmer stattfinden, das Spiel, das an Die zwölf Geschworenen oder Reservoir Dogs herankommt, muss aber erst noch erschaffen werden.

Obwohl ich gerne betone, dass sich beide Medien in vielen Punkte immer ähnlicher werden, so lässt sich das nicht behaupten, wenn wir einen Blick auf Genres werfen, denn hier klaffen die Unterschiede noch sehr deutlich. Das werden sie auch weiterhin tun, solange sich jemand bei Spielen eher erkundigt, ob es sich nun um einen First- oder Third-Person-Shooter handelt anstatt die Frage zu stellen, worum es denn eigentlich geht.

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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