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Mein Job ist es, nicht zu existieren

“Mein Job ist es, nicht zu existieren.”
Das sind Worte aus dem Mund von Jennifer Hale, die jeder Gamer kennt, ohne sie zu kennen. Bisher hat sie über 130 Charakteren von Mass Effect über Halo 4 bis hin zu Star Wars: The Old Republic und BioShock Infinite ihre Stimme geliehen, was ihr einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde sicherte. Viele bezeichnen sie aufgrund ihrer beeindruckenden Leistungen als “Meryl Streep der Synchronsprecher”. Sie ist einer der wenigen unsichtbaren Stars des Mediums. Zu ihnen gehören ebenfalls Nolan North, den die Meisten unter dem Namen Nathan Drake aus Uncharted kennen und David Hayter, der zwar Drehbüchern zu Filmen wie Watchmen – Die Wächter schrieb, für Gamer aber immer Snake aus der Metal Gear-Reihe sein wird. Sie gehören einer neuen Generation von Entertainern an, deren Charaktere und Darstellung weit verbreitet sind, die allerdings niemand auf der Straße erkennen oder auch nur beim Namen nennen könnte.

Hales Worte mögen auf den ersten Blick seltsam erscheinen, bei genauerer Betrachtung wird aber klar, wie recht sie damit hat. Auch wenn Schauspieler immer wieder zu anderen Figuren werden, werden ihre Gesichter und Namen doch immer für Werbezwecke verwendet, was bei Synchronsprechern nicht der Fall ist. In den meisten Fällen leihen sie ihre Stimme, nicht aber ihr Aussehen, was unter anderem daran liegt, dass es verhältnismäßig wenige Voice Actors gibt, die dafür in unzählige Rollen schlüpfen.

Wenn ihr euch die Liste an Darstellern eines Spiels anseht, so werdet ihr über kurz oder lang immer wieder über dieselben Namen stolpern. Wenn die Welt ein Dorf ist, dann ist die Videospielindustrie eine überschaubare Nachbarschaft, in der wir immer wieder denselben Personen begegnen, ohne es überhaupt zu merken. Uns fehlen die Gesichter der Personen, mit denen wir so viel Zeit verbringen, weil Stimme und Aussehen nicht immer denselben Ursprung haben. Bisher.

Vom Voice Acting zur Charakterdarstellung
Es wird gern gesagt, dass die Grenzen zwischen Spiel und Film immer weiter verwischen. Als Beispiel werden häufig cineastisch anmutende Sequenzen und Spiele wie Heavy Rain genannt, die eher wie interaktive Filme wirken als das, was viele als Spiel bezeichnen würden. Das Studio Quantic Dream, dem wir den düsteren Krimi zu verdanken haben, macht nach Heavy Rain mit Beyond: Two Souls einen weiteren Schritt in Richtung spielbarer Filme — auch was seine Darsteller angeht. In den Hauptrollen findet ihr Ellen Page (Juno) und Willem Dafoe (Platoon), die den Charakteren nicht nur ihre Stimmen, sondern auch ihre Körper leihen.

Mittlerweile ist es nicht mehr völlig ungewöhnlich, dass Schauspieler gleichzeitig auch als Modelle für die von ihnen gesprochenen Charaktere dienen, mit Beyond geht Quantic Dream dank Motion Capturing noch einen Schritt weiter. Anstatt an separaten Sets für Bild und Ton, fanden sich mehrere Schauspieler an einem wieder, an dem beides gleichzeitig aufgenommen wurde. Statt nur Fokus auf ihre Stimmen zu legen, mussten Ellen Page und Willem Dafoe ähnlich agieren, wie sie es an einem Filmset getan hätten. Nicht nur ihre Gestik, sondern auch ihre Mimik spielte bei den Aufnahmen eine entscheidende Rolle und soll ihren Figuren so noch mehr Leben einhauchen als ihre Vertonung allein es gekonnt hätte. Ob ihnen das gelingt, erfahren wir gegen Ende des Jahres, wenn Beyond: Two Souls für PS3 erscheint.

Produktionen wie die von Quantic Dream sind nicht die Regel und werden es vielleicht aufgrund ihres Aufwands nie sein. Selbst wenn sich die Technik mit der nächsten Konsolengeneration weiterentwickelt, wird es noch lange technische Hürden geben, die dem optischen Realismus im Weg stehen. Und auch wenn dieser Punkt erreicht werden sollte, macht es die passende Synchronisation eines Charakters nicht weniger bedeutungsvoll. Letztlich trägt der Klang einer Stimme schließlich ebenso zu einer bewegenden Erfahrung bei, wie ein realistischer Gesichtsausdruck es tut. Und das weiß ich nicht erst seit Mark Hamill.

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
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