Warum ich nicht gerne gegen Andere spiele

Mit Competitive Gaming habe ich so meine Differenzen
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Das Leben ist ein Kampf und das ist auch schon immer so gewesen. Während sich unsere Vorfahren in der Steinzeit noch gegen die Unwirtlichkeit der Natur behaupten mussten, sind wir mittlerweile in einer Ellbogengesellschaft angekommen, in der wir ständig unter Leistungsdruck stehen. Ganz egal, ob in der Schule, im Studium oder bei der Arbeit — wer nicht sein Bestes gibt, der bleibt sitzen, fällt durch oder muss möglicherweise um seine Stelle bangen.

Videospiele als Rückzugsort

So sehr ich die Pokémon-Serie mag, die Tatsache, dass wir alle ständig unter dem Einfluss des Leitsatzes von Protagonist Ash stehen, geht mir gewaltig gegen den Strich. Der lässt sich nämlich als "Ich will der Allerbeste sein!" zusammenfassen und obwohl dieses Vorhaben sehr löblich ist, möchte ich es nicht auf zu viele Teilbereiche meines Lebens anwenden. Denn in einer Zeit, in der es mit dem Abitur auch in zwölf Jahren klappen muss und der Einstieg in einen Job am besten schon mit langjähriger Berufserfahrung erfolgen soll, sind Videospiele für mich an einigen Tagen ein sicherer Hafen.

Bei The Walking Dead habe ich mir die Augen ausgeweint, in Bejeweled 3 reihenweise Juwelen zerstört und in rund 80 Stunden meine Runden der Welt von Dragon Age: Inquisition gedreht. Es ist mir egal, ob mich ein Spiel mit packender Geschichte oder stumpfem Klicken abholt. Hauptsache ist, dass es mich aus der realen Welt reißt und mir Raum zur Entspannung bietet — fernab von Leitungsdruck. Manchmal brauche ich das einfach.

In der Vergangenheit habe ich diesen Rückzugsort schon oft in Anspruch genommen und ich weiß, dass ich es auch in Zukunft tun werde, falls mir meine Angst vorm Scheitern mal wieder über den Kopf wächst. Wenn ich für mich alleine spiele, hat mein Versagen keine schlimmeren Konsequenzen als kurzzeitige Verärgerung oder eine Unterbrechung. Ich räume mir das Recht ein zu tun, was ich mir im realen Leben nicht erlaube: zu Verlieren und vielleicht sogar danach für eine Zeit das Handtuch zu werfen. Manchmal ist das wie ein Befreiungsschlag.

Lieber mit- statt gegeneinander

Das bedeutet aber nicht, dass ich ausschließlich zu Maus oder Controller greife, um zu vergessen oder dass ich durchgängig Singleplayer-Spielerin bleibe. Es bedeutet auch nicht, dass ich eine leidenschaftslose Beziehung zu Videospielen pflege, ich nehme sie einfach nur nicht todernst und das tut mir sehr gut. Left 4 Dead 2 spiele ich zum Beispiel gerne mit Freunden im Koop, aber keiner von ihnen reißt mir den Kopf ab, wenn ich etwas vermassele. Im Online-Multiplayer von Armello verbringe ich auch gerne meine Zeit, denn vor mir selbst kann ich mein Scheitern sowieso rechtfertigen.

Von Spielen wie Call of Duty: Black Ops 3 oder League of Legends hat mich meine negative Einstellung zu Competitive Gaming aber bedauerlicherweise fern gehalten, auch wenn ich mich eigentlich gerne einmal an ihnen versuchen würde. Ihre Communities wirken auf mich zu erfolgsorientiert. Ich habe schlichtweg Bedenken, ob ich mich in einem Spiel wirklich wohl fühlen kann, wenn bei Misserfolgen eine Chance darauf besteht, dass ich von meinen Team-Mitgliedern beleidigt werde. Denn auch wenn mein Fell dick ist, mag ich es selbstverständlich nicht, wenn mir pausenlos böse Wörter an den Kopf geworfen werden.

Mein Standpunkt kann selbstverständlich auf diverse Art und Weisen angegriffen werden, weil er ein sehr persönlicher ist.

Warum nehme ich mir nicht Zeit, um mich Spielen wie Black Ops 3 ausführlich zu widmen und so gut genug in ihnen zu werden, um weniger Angriffsfläche zu bieten? Weil ich mein Leben nicht so lange ausschließlich auf ein Spiel ausrichten möchte und ungeachtet aller Anstrengung Gefahr laufen kann, dass mich die jeweilige Community wegen mangelnder Grundfähigkeiten nicht akzeptiert.

Warum ignoriere ich Beleidigungen nicht einfach, wenn ich mich nicht persönlich angegriffen fühle? Weil sie mich auf Dauer trotzdem wütend machen und frustrieren. Natürlich weiß ich auch, dass bestimmt nicht jeder Spieler zwangsläufig ausfallend wird, wenn ich in seinem oder ihrem Lieblingsspiel etwas verhaue. Trotzdem bleiben da die nagenden Zweifel, die mir schon vorab die Freude und Motivation nehmen, mich mit einem solchen Spiel überhaupt erst zu befassen.

Babyschritte

Aber so muss es ja nicht bleiben. Ganz langsam taste ich mich momentan an neue Spielerfahrungen heran, die eigentlich aus meinen bevorzugten Singleplayer-Erfahrungen locken. Ganz oben auf meiner Liste steht zurzeit das für seine Schwierigkeit berühmt-berüchtigte Bloodborne, in das ich auch sicherlich viel Herzblut fließen lassen muss. Den Herausforderungen anderer Spieler werde ich mich darin erst stellen, wenn ich weiß, dass ich gut genug bin, um mit ihnen mitzuhalten. Vielleicht sollte ich etwas von diesem Engagement abzwacken, mir Black Ops 3 zulegen und dann einfach über meinen Schatten springen. Die Realität muss ja nicht so schlimm sein, wie ich sie mir ausmale.

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