Warum LEGO Dimensions das Beste war, was Lego-Spielen passieren konnte

Lego Dimensions – das Beste, was Lego passieren konnte?
© Warner Bros.
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LEGO Harry Potter, LEGO Batman 3 - Jenseits von Gotham, LEGO Marvel Super Heroes, LEGO Jurassic World,... Bisher war es egal, ob ich Interesse an einem Franchise hatte oder nicht, sobald ein LEGO-Spiel dazu erschien, fand es unweigerlich seinen Weg in meine Sammlung. Für LEGO, egal ob nun digital oder analog, ist man nie zu alt.

Jeder bisher erschienene Baustein-Titel erinnerte mich von neuem an die vielen, vielen Stunden, die ich in der Küche meiner Großmutter zugebracht habe, um dort Klötzchen auf Klötzchen zu setzen und seltsame Bauten zu erschaffen, die nur in meiner kindlichen Fantasie irgendeine Art von Sinn ergeben konnten. Dieser entscheidende Aspekt, der nicht nur meine Kindheit prägte, ließ sich allerdings in den vielen LEGO-Spielen der letzten Jahre vermissen: Anstatt selbst zu bauen, musste ich nur die richtige Taste zu drücken und die Konsole für mich bauen lassen. Knopfdruck statt Kreativität ließ die Freude an LEGO-Videospielen von Spiel zu Spiel sinken, obwohl sie ihrerseits immer größer und sogar besser wurden.

LEGO Dimensions & andere DLCs für's Regal

Ich war also zugegeben etwas skeptisch als Warner Bros. dieses Jahr LEGO Dimensions ankündigte, das das Toys to Life-Prinzip von Skylanders, Disney Infinity und Nintendos Amiibos in die LEGO-Welt verfrachten sollte. Zu groß war die Gefahr, dass einfach nur all die bisher kostenlos spielbaren, im Verlauf freischaltbaren Charaktere aus dem Spiel genommen und in Plastikform gepresst separat zum Verkauf angeboten würden, um die Geldbeutel von LEGO-Fans zu leeren.

Zumindest Letzteres passiert auch dank der unzähligen Sets, die bereits zur Verfügung stehen oder schon angekündigt wurden. Wer leicht dem Sammeltrieb erliegt oder anfällig für den Vervollständigungszwang ist, der läuft Gefahr, jede Menge Geld in die Plastikfigürchen zu investieren. Die Versuchung ist nicht nur für obsessive Jäger und Sammler groß, denn womit LEGO Dimensions vor allem lockt, ist die Qualität der erweiterbaren Spielerfahrung, die nicht nur für kurzzeitigen Spaß, sondern auch Abwechslung und Wiederspielbarkeit sorgt — und das ohne auf die von vielen geschätzte LEGO-Formel zu verzichten oder all ihre Probleme zu kopieren.

Das LEGO Problem

Die LEGO-Titel von TT Games zeichnen sich schon seit LEGO Star Wars dadurch aus, dass sie sich nicht in die Schublade voller Lizenzschrott stecken lassen, in der viele Videospieladaptionen von Filmen gerne landen. Stattdessen sind sie nicht nur leicht zugänglich, sondern bezaubern Spieler vor allem mit ihrem ganz eigenen Charme und Humor – etwas, das so in Videospielen nicht immer einfach zu finden ist.

Wie soll es aber weiter gehen, wenn man auf einem hohen Niveau beginnt? Kann es überhaupt gelingen, sich immer wieder selbst zu übertreffen oder ist ein Studio früher oder später dazu verdammt, das eigene Franchise zu zerstören, weil sich Tradition und Innovation nicht mehr die Waage halten? Mit ihren LEGO-Spielen schaffte es TT Games in der Regel, eine gute Balance zu halten, allerdings neigten das Studio sich bevorzugt in Richtung Tradition, was im Laufe der Zeit auf Gameplay und Gemüt schlug.

Jede neue Veröffentlichung des Studios schien die solide LEGO-Formel weiter perfektionieren zu wollen, ohne dabei allzu weit vom Grundrezept abzuweichen. Während zu Beginn die klotzigen Charaktere noch stumm agierten und einer eher linearen Handlung folgten, erfreute sich LEGO Batman 2: DC Super Heroes nicht nur über eine offene Welt, sondern erstmals auch über eine neue Vertonung. LEGO Herr der Ringe schraubte den Slapstick zugunsten des Basismaterials etwas zurück und sorgte so für die wahrscheinlich familienfreundlichste Version des Tolkien-Stoffs.

Mit jedem neuen LEGO-Spiel wurde weiterer Feinschliff betrieben, doch nichts konnte wirklich darüber hinwegtäuschen, dass das LEGO-Rezept mittlerweile nicht mehr überraschen konnte.

In neuen Dimensionen denken mit LEGO Dimensions

Ich ging also mit gemischten Gefühlen an LEGO Dimensions heran, wurde allerdings schon beim Öffnen der Packung des Basis-Sets überrascht: Quasi das Erste, was das Action-Adventure von mir verlangte, war das im Spiel vorkommende Dimensionsportal in der Realität nachzubauen. Ich verbrachte demnach erst einmal zwanzig Minuten damit, über einer Anleitung zu brüten, mich durch die verschiedenen Steinchen zu wühlen und mich daran zu erinnern, wie ich diese Situation zum letzten Mal vor über zwanzig Jahren mit meiner Großmutter erlebt hatte.

Jedes LEGO-Set – egal, ob Level Packs, Team Packs oder Fun Packs – beinhaltet mindestens ein Element, das entweder vor oder während des Spielens von euch zusammengebaut werden muss. Bei LEGO Dimensions endet die Interaktion mit den Figuren nicht mit dem Abstellen auf dem Portal. Stattdessen könnt ihr die Gegenstände im Verlauf der Missionen mehrfach umbauen und sogar das Portal hat mehr als eine Funktion. Es ist nicht nur die Basistation für die Charaktere, sondern fungiert außerdem fast wie ein eigenständiger Controller. Wird einer eurer Charaktere im Spiel gefangen genommen, könnt ihr ihn durch physisches Versetzen der Figur retten und einige Rätsel lassen sich nur durch die verschiedenen Felder des Portals lösen.

LEGO Dimensions beschränkt den Spieltrieb somit nicht nur auf die digitalen Welten, sondern ermutigt physisches Spielen, basteln, bauen, auseinander nehmen und zusammensetzen. Es überschreitet so die Grenze, vor der bisherige LEGO-Spiele immer zurückschreckten und fängt mehr den Geist der kleinen Klötzchen ein, als die Vorgänger es konnten.

Das spiegelt sich auch in der wilden Mischung an Charakteren wieder, die LEGO Dimensions zusammenbringt. Während bisherige Spiele auf einen einzigen Film oder ein Franchise beschränkt waren, lässt LEGO Dimensions diese Begrenzung im Staub zurück. So treffen Die Simpsons auf Chell und ihren Companion Cube, Doctor Who auf Scooby Doo oder Unikitty auf Wonder Woman – jeder Charakter kann in jeder Welt genutzt werden, wobei dennoch jeder seine eigene kleine (oder größere) Welt im Universum des Spiels hat.

Ähnlich wie in einem Kinderzimmer fliegt alles wild durcheinander und ermöglicht LEGO Dimensions so zu spielen wie man es selbst spielen möchte. Fast.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Während LEGO Dimensions vieles richtig macht, kämpft es dennoch mit einigen Kinderkrankheiten, die zur Epidemie werden könnten.

Denn obwohl LEGO Dimensions damit angibt, dass ihr wohl eine "größere Vorstellungskraft" benötigt, leidet es selbst an Ideenlosigkeit. Damit ist nicht einmal das liebevoll quirlige Spiel selbst gemeint, das allein durch seine unterschiedlichen Ansätze in den verschiedenen Franchises viel Abwechslung bietet. Vielmehr ist es die eingeschränkte Kreativität, die LEGO Dimensions – wie alle anderen LEGO-Titel zuvor – präsentiert.

Zwar lässt es euch in der Realität basteln, das ist allerdings eine rein kosmetische Veränderung und im Spiel erledigt sich das Stapeln von Steinchen zudem weiterhin auf Knopfdruck. Alles fügt sich automatisch zusammen und bietet nicht dieselbe kreative Abweichung, die physische Exemplare der Klötzchen normalerweise fördern. Die Kreativität bleibt auf der Strecke. In diesem Sinne steht LEGO Dimensions auch dem Konkurrenten Disney Infinity nach, dessen Toybox alles ermöglicht, was das LEGO-Spiel rein logisch betrachtet ebenfalls beinhalten sollte.

Es regt zum Experimentieren, Basteln und Gestalten ein, lässt die eigenen Werke mit anderen teilen oder sich neue Level umsonst herunterladen. Gerade von einem Titel mit dem Namen LEGO hätte man eine ähnliche Herangehensweise nicht nur erwartet, sondern sie sogar vorausgesetzt.

Stattdessen ruht sich LEGO Dimensions ein wenig auf der bunten Vielfalt der eingekauften Franchises und dem Handarbeitsfaktor aus, die dringend benötigte Abwechslung in die Reihe bringen. Sicherlich, die bunten Steinchen können abseits vom digitalen Treiben auch so zum Spielen verwendet werden und solange sie keinen Sammlern gehören, werden sie sicherlich ihren Weg in die ein oder andere Spielzeugkiste finden.

Während Amiibos immer Amiibos und Infinity-Figuren immer Infinity-Figuren bleiben oder höchstens einmal Schreibtischdeko werden, bietet LEGO uns echtes Spielzeug – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Und wann sagt man als Erwachsener schon einmal Nein zur Ausrede, mit LEGO spielen zu dürfen?

Stein für Stein in die richtige Richtung

Wie soll es weitergehen, wenn man auf einem hohen Niveau beginnt? Trotz seinen Kinderkrankheiten beantwortet LEGO Dimensions meine zuvor gestellte Frage und zeigt wie die sinnvolle Evolution einer Spielereihe aussehen kann. Es ermöglicht einer – manchmal stagnierenden – Marke einen dringend benötigten Sprung nach vorne.

Es verbindet endlich das digitale Spielen mit dem realen Spiel- und Bautrieb, der LEGO schon seit seinen Anfängen begleitet. Insofern ist LEGO Dimensions nicht nur die logische Konsequenz aus vielen Jahren an LEGO-Spielen, sondern gleichzeitig das Beste, was der Reihe passieren konnte. Nun bleibt es nur abzuwarten, ob sich LEGO Dimensions ebenso wie seine Vorgänger halten kann und wie sich das Toys to Life-Projekt selbst weiterentwickelt. Bis es so weit ist, haben wir immerhin schon eine ganze Menge zu bauen.

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