War. War changes.

Zwischen den Fronten im Test zu This War of Mine

This War of Mine
© Koch Media
This War of Mine
moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
du folgst
entfolgen
Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.

War. War never changes.

Es ist einer dieser Sätze, die jeder Gamer kennt, egal, ob er je selbst Fallout 3 gespielt und Ron Perlman die Worte hat sagen hören. Dass sie nicht unbedingt stimmen, zeigt eine neue Art von Kriegsspiel, die sich langsam ihren Platz erkämpft. Sie zeigt eine völlig andere Seite des Krieges, in der ihr nicht diejenigen spielt, die mit heroischen Akten das Schicksal der Menschheit bestimmen. Stattdessen werfen sie euch als Zivilisten zwischen die Fronten und der einzige Kampf ist der ums Überleben.

Eines dieser Spiele ist das monochrome Strategie-Adventure This War of Mine, in dem ihr eine Gruppe aus (anfangs) drei Bewohnern einer fiktiven Stadt spielt, die von einem Bürgerkrieg heimgesucht wird. Verschanzt in der relativen Sicherheit eines Wohnhauses, müssen sie sich nicht nur vor Plünderern schützen, sondern auch vor Kälte, Hunger, Krankheiten und Depressionen. Der Alltag des Krieges kratzt nicht nur an ihrer körperlichen, sondern auch an ihrer geistigen Gesundheit. Nie scheint es genug Nahrung oder Medizin für alle zu geben, nichts, was sie tun (oder nicht tun), geht spurlos an ihnen vorbei.


Weil es tagsüber zu gefährlich ist, das Haus zu verlassen, beschäftigen sich die Bewohner damit, die verschiedenen Ressourcen in Alltagsgegenstände zu verwandeln: Nahrung, Barrikaden, Möbel, Waffen, … Zumindest falls es genug Rohstoffe gibt, was in This War of Mine nie der Fall ist. Um das zu ändern, schickt ihr nach Anbruch der Dunkelheit einen vorsichtig ausgewählten Charakter auf Plündertour. Auf einer Karte erhaltet ihr eine Übersicht darüber, welche Ressourcen sich wo befinden und wie gefährlich es ist, ein “verlassenes” Gebäude aufzusuchen. Zwar stehen die Chancen gut, dass ihr im Supermarkt Nahrung und vielleicht sogar Medikamente findet, ihr seid aber mit Sicherheit nicht die Einzigen, die auf diese Idee gekommen sind und auch die aufgegebene Werkstatt ist nicht ganz so unbewohnt wie ihr vielleicht gehofft hattet.


Tauschen, verstecken, kämpfen – jede Entscheidung kann euer Schicksal besiegeln. Stirbt ein Charakter, bleibt er tot und sein Ableben geht nicht spurlos an den Hausbewohnern vorbei. Nicht nur, weil sie um ihn trauern, sondern weil mit ihm wichtige Ressourcen verloren gingen. Diese bittere Erfahrung musste ich machen, als ich Katia verlor, die nicht nur Expertin im Handeln und Tauschen war, sondern außerdem alle Waffen und Werkzeuge der kleinen Gruppe in ihrem viel zu kleinen, vollgestopften Rucksack trug. Jeder Verlust in This War of Mine trifft euch hart.

Obwohl die mehrstöckigen Gebäude im Kern immer gleich aufgebaut sind, würde ich sie nicht als monoton bezeichnen. Es ist nie klar, wen und was ihr darin vorfinden werdet und von einem Besuch zum nächsten kann sich alles verändert haben. This War of Mine schränkt eure Sicht ein und verrät euch nicht auf Anhieb, wer sich in einem Gebäude verbirgt. Die Geräusche, die mit roten Kreisen visuell dargestellt werden, könnten gleichermaßen Ratten oder Bewohner sein. Ein Blick durchs Schlüsselloch kann euer Leben retten – und euren Abend ruinieren, wenn ihr beobachten müsst, wie ein Soldat eine junge Frau vor die Wahl stellt, ob sie lieber sterben oder die Nacht mit ihm verbringen will.


This War of Mine erzählt viele kleine, schwermütige Geschichten vom Krieg, wenn auch nicht immer besonders elegant. Dafür sind die Charaktere zu blass und zu einseitig und das Spiel tut nicht viel, um daran etwas zu ändern. Menschen sind Ressourcen, ebenso wie Feuerholz oder Rattenfleisch, deren Verlust hauptsächlich schmerzt, weil es das Überleben der Gruppe noch schwerer macht. Es geht nicht um ein Einzelschicksal, sondern um das aller – aber vielleicht ist genau das das Statement, das 11 Bit Studios mit ihrem tristen Titel machen wollten.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht schlimm, wäre es nämlich anders, wäre This War of Mine noch deprimierender als es sowieso schon ist. Wer Spiele lediglich aus Spaß und Entspannung spielt, ist bei This War of Mine an der falschen Adresse, ebenso wie alle, die auf ein Happy End warten.

Ob es das gibt, weiß ich nicht, denn bisher hat meine Gruppe nie lange genug überlebt, als dass sie das Ende des Krieges hätten sehen können. Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, bezweifle ich, dass ich es als ein Happy End hätte betrachten können. Schließlich hätte das bedeutet, dass die Menschen überlebt hätten, die das Leben anderer beendeten, um ihr eigenes zu sichern und dabei ihre Menschlichkeit aufgaben, wovon sie sich nie erholen würden. Im Krieg gibt es eben keine Gewinner. In This War of Mine auch nicht.


Fazit

This War of Mine ist sicherlich nicht perfekt, weder narrativ noch spielerisch. Dennoch ist es eines dieser Spiele, die jeder einmal gespielt haben sollte, egal ob er sich als Gamer identifiziert oder nicht. Es zeigt die andere Seite der Medaille, die Personen, die im Krieg so leicht vergessen werden, gerade wenn er in unseren Wohnzimmern tobt. This War of Mine zeigt, dass es keinen Blockbuster-Krieg braucht, um uns zu fesseln, und dass Spiele manchmal keinen Spaß machen müssen, um toll zu sein.

This War of Mine gehört zu den Spielen, die jeder gespielt haben sollte.
  • stimmungsvolle Musik
  • Permadeath
  • bedrückende Atmosphäre
  • schwere Entscheidungen
  • schwer einschätzbare Situationen
  • blasse Charaktere
  • stellenweise zu repetitiv

This War of Mine wurde in Form eines Retail-Musters von Koch Media bereitgestellt und auf PC gespielt.

moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
du folgst
entfolgen
Ich mache Dinge mit Worten und Videospielen und brauche dafür sehr viel Kaffee.
Das könnte Dich interessieren

Deine Meinung zum Artikel Zwischen den Fronten im Test zu This War of Mine

07975ff6d5754035987af36538f9ba99