Assassin's Creed — Was soll die einjährige Pause schon bringen?

Wohin geht es mit Assassin's Creed 2017?
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Nachdem die Gerüchteküche über Wochen hinweg nicht nur brodelte, sondern mehrfach überkochte und die Videospielwelt in einem Magma-Bad ertränkte, sorgte Ubisoft nun für Klarheit: 2016 erscheint kein neues Assassin’s Creed. Stattdessen bekommt das Franchise ein Jahr Pause spendiert, um 2017 mit neuer Kraft an den Verkaufsstart zu gehen.

Fans hören daraufhin weltweit auf ihr Bauchgefühl: Das ist ein gutes Zeichen. Nichts anderes kann dem Kapuzenmörder besser auf die Beine helfen als ein großzügiger Urlaub. Aber stimmt das wirklich? Janna und Dom haben da ganz unterschiedliche Meinungen und darüber diskutiert, ob uns die einjährige Pause am Ende wirklich ein besseres Spiel präsentieren wird oder schließlich doch alles beim Alten bleibt.

Dom: So sehr ich mir auch wünsche, dass 2017 ein frisches Assassin’s Creed auf den Tisch geknallt wird, so groß sind auch meine Zweifel. Ubisoft hat sein Image mit dem verbuggten Unity nervös lachend in den Abgrund geschoben und die enttäuschten Fans zögerten nachweislich, beim Nachfolger zuzugreifen. Das ist schade, denn Syndicate ist ein wirklich gutes Spiel geworden, aber das Misstrauen steckt zu tief in zu vielen Spieler-Knochen.

Für mich fühlt es sich so an, als wolle uns Ubisoft mit der einjährigen Pause suggerieren, dass nun endlich wieder alles besser wird. Das neue Team nimmt sich ganz, ganz, ganz viel Zeit, um ein richtig, richtig tolles Spiel zu zaubern, das wir uns alle schon so lange wünschen. In meinen Augen ist das, wofür Assassin’s Creed steht, aber gar nicht mehr reformierbar. Die Marke hat sich zu einem schwerfälligen Franchise-Koloss entwickelt, der uns realistisch nachgebaute Städte erkunden lässt und die zahlreichen Quadratmeter mit idiotischer Gegner-KI und uninspirierten Missionen füllt. Der Kapuzenträger sieht sich zwischen Fans der ersten Stunde, die sich ein Spiel wie Assassin's Creed 2 wünschen, und “Wir wollen endlich was neues!”-Rufern gefangen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie eine einjährige Pause diese Zwickmühle lösen soll.

Janna: Ich glaube schon, dass das klappen kann. Vor allem, weil Ubisoft der Reihe nicht ganz spontan ein Jahr Pause verordnet. Der Publisher selbst hat deutlich gemacht, dass die Entscheidung nach dem Launch von Unity gefallen ist, also 2014. Und 2014 war auch das Jahr, in dem Mittelerde: Mordors Schatten gezeigt hat, dass es durchaus möglich ist, die angestaubte Formel wieder mit neuem Leben zu füllen. Das muss jetzt auch Assassin's Creed 2017 schaffen.

Du sprichst zwei Punkte an, die das Franchise ganz unweigerlich gegen die Wand fahren oder schon gefahren haben: Die miese KI und die langweiligen Missionen. Ich glaube, dass genau da der Schlüssel für den nächsten Teil liegt. Wenn Ubisoft dem Spiel ein ähnliches System wie das Nemesis-System aus Mordors Schatten spendiert, würde das schon allein die Nebenmissionen interessanter machen. Damit einher ginge eine bessere KI, vielleicht sogar Gegner, die den Spielstil des Spielers erlernen und bei jeder Begegnung besser kontern können. Das würde jeder Mission schon mal das Gefühl von Abenteuer geben.

Ob das realistisch ist? Ich denke schon. Jedes Assassin's Creed-Spiel wurde über drei Jahre entwickelt. Als die Entscheidung für das Jahr Pause fiel, dürfte am Teil für 2016 seit einem Jahr gearbeitet worden sein und das vermutlich vor allem an technischen Grundlagen. Anstatt dann in zwei Jahren ein weiteres Spiel der gleichen Machart zusammenzuschustern, hatte das Team satte drei Jahre, um sich kreativ so richtig auszutoben. Das bedeutet Zeit für alles, was zuletzt zu kurz gekommen ist. Vielleicht kriegen wir nächstes Jahr auch endlich wieder eine spannende Handlung in der Zukunft?

Dom: Dass die Entwickler noch weitaus mehr Zeit haben, um über eine Generalüberholung des Franchises nachzudenken, ist völlig richtig — und bestärkt mich in dem Glauben, dass die "1 Jahr lang Pause"-Formulierung vor allem für die enttäuschten Fans gedacht war, um eine hoffende Erwartungshaltung aufzubauen, die über die letzten Jahre hinweg verflogen ist.

Ich stimme dir auch zu, dass es mehr als genug Ansatzpunkte gibt, die vielen inhaltlichen und spielmechanischen Schwächen der Reihe zu beheben: Wohl jeder, der seine Freizeit mit dem ein oder anderen Assassin's Creed verbracht hat, könnte spontan eine Handvoll Dinge nennen, die im nächsten Teil einfach besser werden müssen. So groß dieses Potential für Verbesserungen allerdings ist, so gering schätze ich die Wahrscheinlichkeit ein, dass Ubisoft diesen Weg gehen wird. Die Gefahr ist groß, durch radikale Innovationen jeglichen Bezugspunkt zu dem zu verlieren, was Assassin's Creed ausmacht. Beispielsweise sind die Kämpfe seit jeher viel zu einfach, dafür aber dank der zahllosen Kombos ästhetisch schön anzusehen. Ein Nemesis-System, das in Mordors Schatten gut funktioniert hat, würde zwar den Schwierigkeitsgrad steigern, sich gleichzeitig aber irgendwie fremd anfühlen. Siehst du das Problem, das ich meine? Ubisoft muss es gelingen, innovative Ideen in das Spiel einzubauen, die sich trotz ihrer Frische organisch mit den schwer zu greifenden Vorstellungen der Fans vereinbaren lassen.

Angesichts des Beispiels von Far Cry "Im Grunde ist alles wie immer" Primal müssen wir uns außerdem ganz grundsätzlich fragen, wie viel Innovation und Risiko in den AAA-Sphären überhaupt möglich ist.

Janna: Vielleicht ist es naiv, aber ich glaube, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt, um eben doch mit Innovationen zu arbeiten. Die Vergleiche zwischen Mordors Schatten und Assassin's Creed kamen ja nicht von ungefähr. Ich denke schon, dass da auch viele Fans einen neuen Ansatz gesehen haben.

Wenn der Drei-Jahres-Entwicklungsplan und die Gerüchte stimmen, dann ist dieses Mal das gleiche Team versammelt wie bei Black Flag. Und das war damals eher unkonventionell und ist neue Wege gegangen. Das könnte beim gemunkelten Schauplatz Ägypten richtig gut funktionieren. Wenn die Wüste ähnlich lebendig aufgezogen wird wie der Ozean, wäre viel gewonnen.

Gerade dadurch würde sich das Spiel auch gar nicht so fremd anfühlen. Black Flag hat ja auch versucht, den angeknacksten Ruf nach Assassin's Creed III zu retten und sogar noch neue Fans ins Boot geholt. An diesem Punkt ist das Franchise jetzt wieder, wenn nicht sogar mehr als damals. Deswegen hoffe ich, dass die Entwickler die Fans einfach mal gar nicht so sehr beachten und sich darauf konzentrieren, was sie mit dem Setting und ihren Ideen anfangen können. Vor Black Flag wusste auch niemand, dass er es haben will und jetzt ist das Spiel für viele einer der besten Teile der Serie.

Meine Hoffnung ist, dass das zusätzliche Jahr nicht nur eine nette Strategie ist, um wieder einen gewissen Hype zu entfachen. Stattdessen bekommen die Entwickler endlich wieder mehr Zeit, um einen wirklichen Sprung zu machen. Dass jährlich ein Titel erscheinen muss, tut keinem Franchise gut und ich bin wirklich gespannt, ob die Pause Assassin’s Creed retten kann. Ich hoffe es, denn die grundlegende Formel macht durchaus Spaß.

Dom: Ach, ich hoffe wirklich, dass du Recht behältst. Ich bin nach wie vor skeptisch und glaube nicht an die Möglichkeiten, die zwar auf dem Papier existieren, aber zu riskant für eine Umsetzung sind — und genau diese radikale Überarbeitung hat das Franchise eigentlich dringend nötig, da sind wir uns ja einig. Lass uns feste die Daumen drücken, dass der Kapuzenträger wieder einen Weg in unsere Herzen findet, statt wie zuletzt durch den Dickdarm zu glitchen.

Diese Metapher tut mir übrigens leid.
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