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Ein Abenteuer in Déjà-vus im Test zu Rise of the Tomb Raider

Rise of the Tomb Raider im Review
© Square Enix / Microsoft
Rise of the Tomb Raider im Review
moviepilot Team
freakingmuse Rae Grimm
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Mit der Tagline "A Survivor is Born" erlebte Lara Croft in Tomb Raider vor zwei Jahren eine Wiedergeburt. Der Reboot zeigte uns nicht nur die ersten Schritte einer Legende, die wir schon über mehrere Abenteuer hinweg begleitet hatten, sondern modernisierte sie und bereitete sie so für eine neue Generation auf.

Während sich allerdings in Tomb Raider noch alles um das Überleben auf einer leider nicht ganz so einsamen Insel drehte, sucht Lara im Nachfolger Rise of the Tomb Raider dieses Mal bewusst die Gefahr.

Verschwunden ist die ängstliche junge Frau, die Reue über den Tod eines Rehs zeigte, nur um später gnadenlos ihre Gegner niederzumähen und stattdessen wird uns eine erfahrenere, neugierige Abenteurerin präsentiert, deren einziges Ziel nicht einfach nur das Überleben um jeden Preis ist.

Laras Ziel ist nichts Geringeres als die Quelle der Unsterblichkeit, nach der bereits ihr Vater suchte, bevor er vor der wissenschaftlichen Welt in Ungnade fiel und Selbstmord beging. Auch Lara glaubte ihm damals nicht, durch ihre übernatürlichen Erfahrungen auf Yamatai zweifelt sie nun allerdings an ihrer einstigen Einstellung. Getrieben von Schuldgefühlen und dem Wunsch, seinen guten Namen wieder herzustellen, begibt sie sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Artefakt. Wie es sich aber für mächtige McGuffins gehört, ist sie nicht die Einzige, die auf der Suche danach ist: Trinity, eine so einflussreiche wie ruchlose Organisation, will es ebenfalls und hat kein Problem damit, dafür über Leichen zu gehen. Nachdem Lara eine von ihnen werden soll, ist sie entschlossener den je, ihnen zuvor zu kommen.

Ihre Reise führt sie nach Syrien und Sibirien, die visuell einen harten Kontrast zueinander bilden. Während wir im staubigen Wüstengebiet allerdings nur relativ wenig Zeit verbringen, spielt sich der Großteil des Spiels in eisigen Schneelandschaften ab, die an einigen Stellen stark an Orte aus dem ersten Teil erinnern. Zwar versuchen gerade die Challenge Tombs hier größere Abwechslung zu bieten, durch das grundlegende Thema des Handlungsortes zieht sich dennoch eine klare Linie durch die Optik von Rise of the Tomb Raider, die nur selten durchbrochen wird. Farblich hauptsächlich von Schnee-, Sand- und Erdtöne geprägt, passt zwar alles zueinander, bietet aber leider nur wenig Vielfalt, was über den verhältnismäßig langen Spielverlauf durchaus eintönig wirkt. Zwischen russischen Metallbauten und Mienen, verschneiten Wäldern und eisigen Gipfeln bleibt immer das Empfinden, alles schon einmal gesehen zu haben.

Das Gefühl von Déjà-vus war mein ständiger Begleiter in Rise of the Tomb Raider, egal ob es nun um Orte, Handlung oder Gameplay ging – nichts fühlte sich vollkommen neu an.

Während die Geschichte zwar über einen großen Teil hinweg spannend ist, fällt sie in so viele Klischeefallen, dass es schwer ist, überrascht zu werden. Schuld daran sind vor allem die Unmengen an altmodischen Tonaufnahmen und Schriftrollen, die für einen Großteil der Exposition sorgen. Stellenweise hatte ich das Gefühl, mehr durch sie über die Handlung von Rise of the Tomb Raider zu erfahren als durch Dialoge und Geschehnisse. Es macht den Anschein, als wäre das Spiel überambitioniert, was seine Handlung angeht, weiß dabei allerdings nicht, wohin mit all den Informationen. Daher wurde offenbar der Weg des geringsten Widerstands gewählt. Oder der geringsten Inspiration.

Ähnlich erging es mir mit vielen Gameplay-Elementen und Szenen, die es heute offenbar in jedes Action-Adventure schaffen müssen: das Davonlaufen vor einer Gefahr inklusive momentabhängiger Sprungeinlagen (was mehrmals passierte), das Entkommen aus einem brennenden Gebäude (ebenfalls mehrmals) oder der Sturz in den Abgrund, bei dem sich die Hauptfigur im letzten Moment doch noch fangen kann (viel zu oft), ... Abwechslungsreichtum und Innovation wurden bei Crystal Dynamics leider nicht allzu groß geschrieben.

Das fällt auch auf, wenn wir uns die Neuerungen ansehen, die es tatsächlich in das Spiel geschafft haben und die allesamt aus anderen Spielen zu stammen scheinen. Von Assassin's Creed bis Batman haben sich die Entwickler inspirieren lassen und den Spielen Kernelemente entwendet, um sie zu einem neuen Teil von Laras Repertoire zu machen. Sei es nun der Enterhaken, mit dem sich Lara von einem Ort zum anderen Schwingen kann oder das Lungern auf Ästen, bevor sie sich auf einen nichtsahnenden Gegner stürzt – alles war doch irgendwie schon einmal da.

Aber obwohl Rise of the Tomb Raider nicht gerade vor Innovationen strotzt, macht es bei der Übernahme all dieser Elemente sehr viel richtig. Das Spiel nutzt das grundsolide Fundament seines Vorgängers, um darauf aufzubauen und ein dennoch spannendes und spaßiges Action-Adventure zu bieten, das tatsächlich den Abenteuer-Teil nicht vernachlässigt.

Während die Handlung und Geschwindigkeit von Tomb Raider unter der halboffenen Welt des Spiels litten, fühlt sich Rise of the Tomb Raider linearer und fokussierter an, ohne allerdings auf seine Offenheit zu verzichten. In vielerlei Hinsicht hat es mich ein wenig an klassische Adventures wieIndiana Jones and the Fate of Atlantis erinnert, das uns ohne Einschränkungen von Ort zu Ort reisen ließ, um immer wieder zu Rätseln zurückzukehren.

All die Mechaniken, die in Tomb Raider eingeführt wurden, verfeinerte und verbesserte nun der Nachfolger, um ein rundes Ergebnis zu liefern. Anstatt beispielsweise einfach Concept Art freizuschalten, lernt Lara durch das Entdecken von Dokumenten neue Sprachen, die ihr helfen, weitere Geheimnisse im Spielverlauf aufzudecken. So lernt sie nach und nach, die Schrift auf Monumenten zu entziffern, die ihr den Standort von geheimen Orten oder Münzen verraten können, mit denen sie sich bei einem Hehler neue Waffen und Verbesserungen kaufen kann. Waffenteile lassen sich beim erfolgreichen Beenden einer Challenge Tomb ebenso finden wie neue Fähigkeiten, die Lara im Kampf gegen Trinity und andere Gefahren Sibiriens einsetzen kann.

Die optionalen Challenge Tombs bilden eine moderate Herausforderung, die im ersten Moment vielleicht stocken lassen, aber immer im Ah!-Effekt enden. Die verschiedenen Arten von Gruften, durch die Lara sich rätselt – einige optional, andere nicht – erinnern ebenso an frühere Teile vor dem Reboot wie daran, dass es sich bei Lara um eine Archäologin im Stil von Indiana Jones handelt. Hinzu kommt, dass die Rätsel-Gruften neben dem Gameplay auch optisch hervorstechen und einige beeindruckende Szenerien bieten, die betonen, dass Rise of the Tomb Raider allem voran ein in (fiktiver) Mythologie basierendes Abenteuer ist.

Die Challenge Tombs bilden gleichzeitig den gemunkelten Nicht-Multiplayer-Aspekt, mit dem ihr euch auf Leaderboards gegen eure Freunde messen könnt. Abseits der Story könnt ihr alle Tombs noch einmal durchspielen und dabei die Bedingungen der Herausforderung ändern. Das geschieht unter anderem durch Karten, die ihr euch in Überraschungspacks mit Credits kaufen könnt. Diese verdient ihr unter anderem durch die Kampagne und durch das erfolgreiche Erledigen bestimmter Aufgaben in den Challenges, wie beispielsweise eine Herausforderung in einer bestimmten Zeit bestehen, ohne dabei zu sterben.

Waffen und Gegnerarten boten einen soliden Grundstock ohne große Abwechslung, was das Spiel einerseits "realistischer" macht, für einige allerdings schnell eintönig werden könnte. Der vielleicht einzige Grund, warum das für mich kein Problem darstellte, war, weil ich (zu) viel Spaß mit dem Bogen hatte. Er ist die Waffe, die in meinen Augen am besten zu Lara passt und es gibt wenige Momente, die befriedigender sind, als ihn erfolgreich einzusetzen – sei es für das Lösen von Rätseln oder Headshots.

Kämpfe sind natürlich noch immer ein wichtiger Bestandteil von Rise of the Tomb Raider. Ich war positiv überrascht von der logisch steigenden Anzahl der Auseinandersetzungen. Während Lara zu Beginn ihres Abenteuers hauptsächlich mit der Umwelt und Rätseln zu kämpfen hat, nehmen die bewaffneten Auseinandersetzungen mit Trinity und anderen Gegnern erst im Verlauf des Spiels zu.

Obwohl gerade der E3-Trailer den Anschein vermittelte, Rise of the Tomb Raider sei ein unglaublich brutales Spiel, bietet euch das Action-Adventure mehr als einmal die Möglichkeit Konflikten vollkommen aus dem Weg zu gehen – oder euch direkt hinein zu stürzen, denn dieses Mal hat Lara keine Skrupel mehr.

Ihre persönliche Entwicklung kommt in Rise of the Tomb Raider leider ein wenig kurz und anders als im Ankündigungstrailer haben wir es nicht mit einer traumatisierten jungen Frau zu tun. Stattdessen scheinen wir einige Schritte übersprungen zu haben und sind etwas näher an der Abenteurerin, die wir über viele Jahre hinweg kennen- und lieben gelernt haben. Auf vielerlei Art fühlt sich Rise of the Tomb Raider wie eine gute Mischung aus den besten Elementen pre- und post Reboot an und macht neugierig darauf, was die die Zukunft für Lara bereit hält.

Fazit

Vielleicht war der Sprung zu groß, den Tomb Raider im Vergleich zu seinen Vorgängern machte, denn Rise of the Tomb Raider schafft es nicht ganz, ihn zu wiederholen. Das Action-Adventure leidet an einem Mangel an Innovationen und den Klischeefallen, in die es immer wieder tappt. All das macht Rise of the Tomb Raider aber zum Glück nicht zu einem schlechten Spiel – im Gegenteil. Wer Tomb Raider mochte, der wird auch Rise of the Tomb Raider mögen, das in vielerlei Hinsicht eine noch bessere Erfahrung bietet.

Sowohl Laras Reaktionen auf ihre Umgebung – ihre Neugier und ihr Interesse an Geschichte – als auch Leveldesign, Story, Challenge Tombs und das simple, aber organische Crafting-System sorgen dafür, dass sich Rise of the Tomb Raider mehr wie ein klassisches Abenteuer anfühlt, als die meisten anderen Genre-Vertreter der vergangenen Jahre – den direkten Vorgänger eingeschlossen.

Die Action in Action-Adventure kommt mit Sicherheit nicht zu kurz, doch gerade der Abenteuer-Aspekt ist es, der Rise of the Tomb Raider zu einem spannenden und absolut lohnenswerten Erlebnis macht und zeigt, dass Lara gekommen ist, um zu bleiben.

Mit Rise of the Tomb Raider macht die Reihe einen weiteren Schritt nach vorne, bietet dabei allerdings nichts wirklich Neues.
  • spannende Story
  • fühlt sich an wie ein Abenteuer
  • tolle Landschaften
  • gute Einbindung von Herausforderungen
  • spaßiges Gameplay
  • zu viel Exposition durch Schriftrollen
  • keine wirklichen Neuerungen
  • viele Klischees


Dieser Test zu Rise of the Tomb Raider wurde basierend auf einem von Microsoft zur Verfügung gestellten Review-Code für Xbox One erstellt.

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