Far Cry Primal – Was ihr nicht erwarten solltet

Far Cry Primal
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Far Cry Primal
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Da saß ich nun und verstand gar nicht so recht, was gerade passiert: Vor mir lag ein duftender Burger, der nur darauf wartete, von mir verputzt zu werden. Aber ich wollte nicht. Den ganzen Tag fieberte ich dem Abendessen entgegen, ließ Vor- und Nachmittagsunterricht über mich ergehen, eilte endlich nach Hause – nur um festzustellen, dass kein Spinat auf dem Herd blubberte. Eigentlich blubberte dort gar nichts. Denn meine Eltern hatten einen stressigen Tag hinter sich, weshalb sie improvisieren mussten.

Doch davon wollte ich nichts hören, zu tief saß die Enttäuschung. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich von vornherein mit völlig überhöhten Erwartungen an die Sache ranging. Damit euch das mit Far Cry Primal nicht auch so geht, entzaubere ich einmal die interessantesten Versprechen, die uns verschiedene Trailer oder Werbesprüche zuflüstern. In einem anderen Artikel verrate ich euch übrigens, worauf ich euch stattdessen wirklich freuen dürft.

1. Survival à la DayZ oder Ark

Nein, Primal ist kein etwas zu abenteuerlich geratener Streichelzoo, das muss ich ja schon auf die harte Tour lernen. Aber macht das den kommenden Far Cry-Teil im Umkehrschluss zu einer Singleplayer-Alternative für Fans von DayZ oder ARK: Survival Evolved? Zugegeben, anfangs muss ich erst einmal Ressourcen sammeln, um eine Waffe zu fertigen, muss Tiere erlegen und darauf achten, nicht mitten im Gefecht plötzlich in einen leeren Köcher zu greifen. Jedoch läuft diese prinzipiell spannende Feature-Liste Gefahr, schnell zu einem Papiertiger zu verkommen. Denn Ubisoft schraubt mir mehr als ein Mal Stützräder an, damit ich mir in der großen weiten Welt bloß nicht wehtue.

So funktioniert das Crafting recht simpel und folgt festen Bauplänen. Rohstoffe ernte ich per Knopfdruck ab, selbst Steine löse ich ganz ohne Spitzhacke oder ähnliches aus einem Felsen. Und sobald ich die Einzelteile für meinen Bogen beisammen habe, reicht ein kurzer Ausflug in das entsprechende Menü. Meinen Vorrat an Pfeilen darf ich übrigens selbst im Gefecht aufstocken, solange ich nur genügend Holz mit mir herumschleppe. Dadurch entflammen nur selten brenzlige Situationen, wenn sich mir menschliche Gegner in den Weg stellen. Schade. Zumal sich der wuchtig inszenierte Nahkampf zwar hektisch anfühlt, ich etwa oft einfach nur wild um mich schlage, aber gerade das zum Kampf ums Überleben passen würde.

2. Siedlungsbau wie in Fallout 4

Während ich also den Rest der Nahrungskette ziemlich schnell in die Tasche stecke, schare ich immer mehr Mitglieder meines Stammes um mich. Schon nach kurzer Zeit wächst mein Unterschlupf zu einem kleinen Auffangbecken für die in alle Winde zerstreuten Wenja heran. Wer nun an den Siedlungsbau aus Fallout 4 denkt, liegt eigentlich nicht ganz falsch, aber eben auch nicht richtig.

Ich gestalte mein Dorf nämlich nicht kreativ mit. Statt mich beispielsweise um Schlafplätze für die Anwohner oder ihren Schutz zu kümmern, baue ich lediglich die Hütten von besonders wichtigen Figuren. Wobei bauen in diesem Zusammenhang ein großes Wort ist, das Primal nicht so wirklich auszufüllen weiß. Schließlich ist der Grundstein für die Behausungen bereits sprichwörtlich gelegt. Ich wiederum tue nichts weiter, als mit den nötigen Ressourcen in der Tasche darauf zuzulaufen – und wieder einmal einen Knopf zu drücken.

Im Prinzip geht Far Cry Primal hier ähnlich vor wie bei seinen Survival-Elementen. Es traut sich zwar aus der Komfortzone der Serie, streckt allerdings nur den kleinen Zeh ins Unbekannte.

3. Eine persönliche Beziehung zu euren tierischen Begleitern

"Ich denke, es ist das aufregendste und überraschendste Feature, das wir haben", freut sich Narrative Director Jean-Sebastien Decant im Gespräch mit Destructoid über die Fähigkeit, wilde Bestien zu zähmen. Überrascht hat mich das wirklich, jedoch anders, als Decant gemeint haben dürfte.

Ubisoft verpasst bislang die Chance, mit tierische Begleiter an die Seite zu stellen, die mir ans Herz wachsen. Dabei erwarte ich nicht einmal eigens für sie geflochtene Handlungsstränge. Immerhin zeigt XCOM: Enemy Unknown, wie es auch ohne geht. Im Runden-Taktikspiel von Firaxis investiere ich teils Stunden in meine Soldaten, rüste und bilde sie aus. Darum trifft mich auch ihr Verlust – nicht, weil ich jetzt ohne einen treuen Gefährten, sondern ein wertvolles Mitglied meiner Truppe auskommen muss. Für Primal hingegen scheint ein Wolf wie der andere zu sein.

Dazu passt auch, dass ich das Zähmen wieder einmal per Knopfdruck erledige, wodurch es zwar zugänglicher als in ARK, allerdings auch weitaus weniger befriedigender ist. Ubisoft sieht in diesem Feature letztlich vor allem die Möglichkeit, das Far Cry-Spielgefühl in die Steinzeit zu übersetzen. Und so kommt es, dass ich mit einer Eule Gegner aus der Luft angreife, sie wie mit einem Fernglas auf meiner Mini-Map markiere oder Bomben auf sie abwerfe.

Ja, wirklich.

Im Rahmen eines Preview-Events hatten wir Gelegenheit, die PS4-Version von Far Cry Primal auf Einladung von Publisher Ubisoft rund drei bis vier Stunden anzuspielen. Das Event fand in Berlin statt, die Anfahrtskosten übernahmen wir selbst.

Far Cry Primal erscheint am 23. Februar 2016 für PS4 und Xbox One, die PC-Fassung folgt am 1. März 2016.

Was erwartet ihr euch von Far Cry Primal?

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